Mittwoch, 8. Januar 2014

Krawalljahresrückblick Zweitausenddrölf. (Zweite Hälfte.)




Wissenswertes über Mardervergrämung, Generalstreiks und dicke Doggen. Bonustracks: ein leidenschaftliches Horst-Bashing, ein abgeschlossener Fotoroman und Wikis Initiativbewerbung für die Raufergruppe.

Juli 2013
Eine kleine, sonnige Lesereise führt uns nach Tirol und Kärnten. Am Bodensee steigt ein Marder zu. Er beißt so geschickt in den Turboschlauch, dass dieser erst zwanzig Kilometer vor Villach platzt. 


Ich spreche ein ernstes Wort mit meinen beiden Angestellten. Marder vergrämen steht eindeutig in ihrem Arbeitsvertrag. Wiki redet sich heraus und behauptet, er hätte ausreichend ins Auto gepupt. Der Marder müsse unter Nebenhöhlenkatarrh gelitten haben, anders sei nicht zu erklären, warum ihm entgangen ist, dass es sich um ein Hundeauto handelt. 

Diese Haltung kann ich so nicht stehen lassen. Mir fehlt da der Biss! In einem Zielvereinbarungsgespräch legen wir eine neue Vergrämungsquote fest.

August 2013
Sommerurlaub in der Provence. Die neuen Belgier am Strand rackern eindeutig härter als wir. Das muss ich neidlos anerkennen. Was mir nicht schwer fällt. Ich freue mich immer sehr, wenn ich das Vergnügen mit Hundehaltern habe, die noch herbere Aufgaben zu bewältigen haben als unsereiner. 

Im Zentrum des Schauspiels stehen zwei hundertfünfzig Pfund schwere Doggen, die bei jedem Anlass ausflippen, wie Luna zu ihren besten Zeiten. Hund, Katze, Maus, Badegast, Luftmatratze, Surfer, Tretboot, Wurstsemmel, Niveaball – wooaaarrrrrrrhhhh!!! An unterarmdicken Tauen sind sie an den stabilsten Baum des Strandes gebunden, der aber so bedenklich wankt, dass die Besitzer sich noch zusätzlich in die Seile hängen – bauchiges Herrchen und stämmiges Frauchen, die in Schräglage über den Kies rutschen als ritten sie im Trapez einen Katamaran bei Windstärke 10. 

Ich sage freundlich „Bonjour!“ und passiere mit meinen seltsam stillen Hunden den Platz des belgischen Aufruhrs. „Bien dressé!“ wird mir zugerufen. Ich lasse das so stehen. Muss ja keiner wissen, dass meine zwei das erste Mal seit zehn Tagen die Schnauze nicht aufreißen. Die haben Schiss vor den grollenden Fleischleibern.

September 2013
Ein wilder Herbst. Das liebe Luni und der liebe Michi absolvieren ein Rauferwochenende bei Nadin Matthews. Ich benehme mich vorbildlich. Luna auch. Sie kloppt sich mit der Malamutin Dasha, dass die Fetzen fliegen. Anschließend beobachten sich die Damen zwei Tage lang misstrauisch aus dem Augenwinkel, lassen sich aber in Ruhe. Es musste halt mal gesagt werden.

Abends gibt es bei uns Kürbissuppe für die Gäste. Wiki, der sich den ganzen Tag gepflegt zu Hause gelangweilt hat, gestaltet seine eigene Raufergruppe. Er prügelt sich unter dem Küchentisch mit Faust, Nadins fünfmal schwererem Owtscharka. Herr Meier aus dem Hause Strodtbeck schaut vom Sofa aus zu. Vorher hopst er im gesamten Haus durch die Betten. Er ist zum ersten Mal bei uns. Ich kann nicht behaupten, dass dieser Beagle fremdelt.

Wo wir gerade so schön warmgekloppt sind, lädt Ute Heberer uns zu einer Lesung in ihr Tierheim nach Reichelsheim ein. Da sie sich außerstande sieht, die Räumlichkeiten von Hunden zu befreien, performen wir in einem etwas größeren Wohnzimmer, in dem sich hundert Leute, dreißig Hunde und ein umfangreiches kaltes und warmes Buffet befinden. DREISSIG (30!) HUNDE AUF IHRER LESUNG?! Luna ist so geschockt, dass sie sich hinter mich legt und einschläft.

Der einzige, der an diesem Abend das Krawallmausfähnchen hoch hält, ist unsere soziopositive Schmusebacke, die eigentlich nie mit Hunden Probleme hat. Wiki beschließt bereits beim Buffetaufbau, dass das gesamte Essen ihm gehört. Blöderweise kommen dauernd Leute und nehmen ihm was weg. Seine Nerven liegen blank. Fünf Schlägereien!

Oktober 2013
Gundula ist mit Abstand der am meisten geklickerte Artikel der Krawallmaus Tagebücher. Zum Ausgleich etwas Horst-Bashing.


Vor nicht allzu langer Zeit hieß ein Hundetrainer noch Horst und sagte: „Die Halter sind an allem schuld!“ Egal was der Hund anstellte, wir hatten den schwarzen Peter. Hunden ein Eigenleben zuzugestehen, passte nicht ins Konzept. Die Marotten waren zu deckeln, und wenn wir das nicht fertig brachten, lag es an uns.

Horsts und Vollhorsts unterrichteten auf umzäunten Hundeplätzen oder während geführter Spaziergänge in freier Wildbahn. Wenn die Persönlichkeit des Halters zum Deckeln nicht ausreichte, flogen Leinen, Schlüssel, Klapperdisks, es sprühte und johlte allenthalben, und gelegentlich stromte es auch. 

Nicht missverstehen: Ein Abbruchsignal über Futterfrustration ist Gold wert, wenn es zu Hund und Halter passt und von jemandem etabliert wird, der sich damit auskennt. Tun aber die wenigsten. Die Mehrzahl lehrt, wie man sinnfrei Zeug durch die Gegend schleudert.

Kein Wunder, dass viele neuerdings ins genaue Gegenteil flüchten: sanftes, gewaltfreies Training bei Gundula. Denn bei Gundula sind nicht die Halter schuld, sondern die Umstände. Wenn etwas nicht funktioniert, liegt es an den Umständen. Das Leckerchen ist nicht lecker genug, der Klick ist nicht präzise genug, der Glucosespiegel ist nicht hoch genug, das Thundershirt ist nicht eng genug, der Schilddrüsenwert ist nicht optimal und der Hase ist zu schnell aufgesprungen.

Die fünf Wirtschaftsweisen prophezeien: Auf lange Sicht wird  nur Gundula überleben. Der „Die Umstände sind schuld“-Ansatz  ist marketingstrategisch einfach ausgereifter als „Die Halter sind schuld“. Wer Kunden schmeichelt, füllt das Kässchen. Erst recht, wenn das Training auf Gundulas Lieblingsdiagnose aufbaut – – – Angsthund! Eine Angsthunddiagnose suggeriert nämlich dreierlei: 1. Der arme, arme Hund. 2. Es wird lange dauern. 3. Wenn du nicht vier Zehnerkarten bei mir kaufst, wirst du in der Tierquälerhölle schmoren.

November 2013
Luna ist mal wieder läufig. Der abgeschlossene Fotoroman.




Dezember 2013
Luna und Wiki sind nicht schnell, aber hartnäckig. Volle drei Jahre nach Erscheinen steht Herrchenjahre in der Weihnachtswoche auf Platz 1 der Spiegel Bestsellerliste.

Beide Hunde schauen mit so merkwürdigen Blicken erst auf die Bestsellerliste, dann auf das billige Trockenfutter in ihren Näpfen. Kurz darauf stellen sie die Mitarbeit ein. Auf der ausgedehnten Hunderunde passiert Luna alle Gegnerinnen und Gegner gesittet. Wiki befindet sich eine halbe Stunde unbeaufsichtigt im Garten und haut nicht ab. 

Sie erpressen mich!

Ich bekomme kein Material mehr von ihnen!

Herrchenjahre 3 ist nicht in Sicht.

© Michael Frey Dodillet | Die Krawallmaustagebücher 2014








Kommentare:

  1. Ich komme gerne mal vorbei um die zwei auf Trab zu bringen :-)
    Es grüßt Lucky Lausbub in bester Krawallmaus-Tradition

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  2. An dieser Misere ist
    a) eindeutig der Halter schuld...
    b) zweideutig die Umstände...
    c) ihr braucht dringend einen neuen Schuldigen!

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  3. Puh , endlich habe ich mich durch Alles durchgekämpft.
    es tut gut zu lesen, dass man nicht alleine ist mit seinen A. .. Hunden, auch hier sitzen eineinhalb Exemplare.
    Bei jeder Hundebegegnung steigt die große in die Leine als könnte sie auf zwei Beinen gehen und die kleine Ratte kläfft aus Solidarität mit.
    Ich war schon mehr als einmal kurz davor, die beiden einfach an den nächsten Baum zu binden und ohne sie zurück zu gehen, aber man bringt es ja doch nicht fertig, wenn sie einen dann mit ihren treudoofen braunen Augen anschauen. ..

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  4. Hey hoo ^^

    wir können ja mal mit unserer Nami vorbeikommen.. mal sehen was dann passiert.. ^^
    Australien Shepard Hündin... 7 Monate alt und ein totaler Wirbelwind und bestimmt ein tolles Objekt für die ganzen Krauses da draußen ^__~

    Liebe Grüße aus Niedersachsen ^^

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  5. Als Security-Wau wollte ich es nicht glauben. ....aber jetzt will ich auch ein Thundershirt. Genau! In rosa weil ich ein Weibchen bin. Und ich will bei Gundula in Kur von wegen psychischen Belastungen im Einsatz! Mindestens einmal im Jahr! Und mein Kumpel ist vom Rüden vermöppen auch nur schwer resozialisierbar! Der geht auch zu Gundula!

    Wenn nur unser Boss nicht so normal wäre. ......aber wenn wir ihm tüchtig "Therapie" zeigen und bennen klappt es vielleicht ja doch. ..

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  6. Zum Dezember:
    Och, kann man da nicht dran arbeiten? Vielleicht eine Futterumstellung, damit die Rabauken wieder wie 'die wilde Wutz' rumrennen und mitmachen? Ich freu mich schon so auf Herrchenjahre drei. Wünsch ich mir dann zu 14. Geburtstag.

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  7. ...aber...aber...aber...Nööö! Allein aus den Forenbesuchen kann man doch ein Buch basteln - ach, was sag ich - zehn! Ich, als ehemalige Zwischendurch-Krawallmäusin-Halterin muss es wissen. Ich war auch Gundula und Krause geschädigt, bis ich irgendwo zwischen Millan, Bloch und Rütter mich selbst wieder gefunden habe. Diese Erfahrungen bieten doch ausreichend Stoff! Nicht aufhören bitte!

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  8. Ich schon wieder...die "aber...aber..aber" Die der Einfachheit und Anonymität wegen ( ich bin da ein bissel empfindlich - ich "fremdel" ;) ) mit dem Namen der Töle ins Netz geht. Ich bin irgendwie an der "intermediären Brücke" hängen geblieben. Nu wollt ich mal ursprünglich Biologie studieren - zugegeben, mit Schwerpunkt auf die ganz kleinen - nein, nicht DIE, auf die wirklich ganz, ganz kleinen ;) Lerntheorien sind mir aber auch nicht gänzlich fremd. Intermediäre Brücken sind aber jetzt mein Brüller der Saison. Ich habe, durch die Anregung diese Blogs sehr viel Zeit meines Lebens im Internet verschw...verbraucht um die Anwendung derselben in der Hundeerziehung zu belach....bestaunen. Die Herleitungen aus der Hirnforschung am Menschen (!) und deren praktische Umsetzung am Hund sind wirklich...außerordentlich...ähm...innovative...mtja....und bahnbrechend neue Herangehensweisen, die.....*muss mal kurz überlegen* alle bisherigen Erkenntnisse (ca. 15.000 tausend Jahre alt) über Bord werfen und ein völlig neues Zeitalter der Kommunikation zwischen Hund und Mensch einleiten. Bitte macht weiter so! Ignoriert jede natürliche Tier (Mensch) - Tier (Hund) Kommunikation die seit tausenden von Jahren bestens funktioniert und "Lalalat" oder " jejejet" eure Hunde in - zwar unwirksame - aber wissenschaftlich belegte Zweisamkeit ;) Sehr gut! Weiter so! :o )

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