Freitag, 13. Oktober 2017

Verwöhnpaket Herren oder Herzlich willkommen bei La Bioabzockétique.




Meine Jüngste ist nach München gezogen. Wiki und ich haben festgestellt: Wir haben das Kind nur unzureichend auf das Leben in freier Wildbahn vorbereitet. Schon gar nicht auf die Friseure der Münchner Schickeria, die 100 Euro ansagen und hinterher das Dreifache auf den Deckel schreiben. Aber der Reihe nach.

Wenn du das erste Mal in München zum Friseur gehst, der Friseur mit vollem Namen »The Culture of Total Beauty La Biosthétique Flagship Salon Le Salon München« heißt und du im Vollbesitz deiner geistigen Kräfte bist, rufst du vorher sicherheitshalber an und fragst, was Balayage auffrischen und Haare schneiden kostet. Vor allem, wenn du Azubi bist und dir jeden Euro mühselig zusammenkellnerst. Lautet die Auskunft »rund hundert Euro« (meine Tochter flucht heute noch, dass sie das Gespräch nicht mitgeschnitten hat), ist das ungefähr derselbe Kurs, den du aus Düsseldorf kennst. Also nickst du und fährst hin.

Lektion fürs Leben No. 1
Das Wörtchen »rund« ist
vielseitig interpretierbar.

Gut, der Schnitt war soweit in Ordnung. Das war allerdings auch keine Kunst. Die Haare (Spaghetti) meiner Tochter (19) von Schulter- auf Schlüsselbeinlänge (3 cm) zu kürzen (10 Minuten) hätte auch Haarmoden Bröselmeyer in Trottlingen anstandslos hingekriegt. Danach gab’s Strähnchen wie immer und Haarwäsche wie gehabt. Als der nicht allzu erschöpfte Maître nach getaner Arbeit zur Kasse schritt und 300 Euro in dieselbige tippte, fiel meiner Tochter die Farbe aus dem Gesicht. Selbst nach Verzicht auf die geschäftstüchtig angepriesenen Pflegeprodukte – man denkt während des Aufenthalts ständig an die Fußspray-Dealer von Footlocker – standen noch 232 Euro auf dem Deckel.

Lektion fürs Leben No. 2
Sag nie »ja« zu einem Shampoo,
dessen Preis du nicht kennst.

Die Strähnchen kamen – einschließlich des diffusen Postens »Coloration Sonstiges« – auf 155 Euro. Der Zehn-Minuten-Haarschnitt plus Haarwäsche schlug mit weiteren 77 Euro zu Buche; dabei handelte es sich um das »Verwöhnpaket 2 Damen MCD«, das unter diesem Namen weder auf der Preisliste stand noch vor Verabreichung angekündigt wurde. Gibt es auch ein »Verwöhnpaket Herren«? Man will es lieber nicht wissen. 

Unterm Strich also ein 132-prozentiger Preisaufschlag, den meine Tochter ziemlich geschockt beglich. Leider war es ihrer Bank nicht möglich, die Lastschrift zu stoppen. Auf mein offensichtlich in geistiger Umnachtung per E-Mail vorgetragenes Ansinnen, uns auf Halbe-Halbe zu einigen, weil bei diesem Missverständnis beide Seiten Fehler begangen hätten, reagierte der Kundenservice spät und spröde mit Nö.

Lektion fürs Leben No. 3
Unter Kundenzufriedenheit
versteht jeder etwas anderes.

Von gestandenen Frauen wie Andrea Nahles hätte es vermutlich direkt vor Ort ordentlich was »auf die Fresse« gegeben. Bei 19-jährigen Azubis ist die Chance, dass man mit dieser Dreistigkeit durchkommt, größer – vor allem, wenn diese mit den Münchner Dienstleistungsgepflogenheiten und der »professionellen Arbeit eines Friseurmeisters in einer exclusiven Lage in der Stadtmitte« (so der Chef später in seiner Stellungnahme) nicht vertraut sind. Sieht ganz so aus, als gehöre es zur Geschäftsstrategie von La Biosthétique, junge Kundinnen über den Tisch zu ziehen.

Lektion fürs Leben No. 4
Die Reibungshitze, die du dabei spürst, 
hat nichts mit Nestwärme zu tun.






Sonntag, 19. März 2017

Luna, Led Zeppelin und die Kackbratze von Castelvecchio.




Den ominösen Vorfall in Castelvecchio di Rocca Barbena habe ich bis heute verschwiegen, weil ich dabei einmal mehr eine erbärmliche Figur abgab. Es geschah im letzten Sommer. Die Hunde wanderten mit uns durch die Berge von Ligurien.

Doch, doch, sie mit uns! Die seit Jahr und Tag in dieser Familie praktizierte Umsetzung des Begriffs «Führung» lässt keine andere Interpretation zu. In diesem speziellen Fall führten sie Stella und mich durch die Berge oberhalb der ligurischen Küste. Ab und zu erlaubten die Felsen einen Blick auf das glitzernde Mittelmeer und die Kräutergewächshäuser Albengas. Luft war lau, Himmel blau, alles sehr idyllisch.

Samstag, 11. März 2017

Niedliche Nervensäge mit sechs Buchstaben.






Meine erste Bekanntschaft mit einem Beagle schloss ich als frischgebackener Neuhundbesitzer vor zwölf Jahren. Ich radelte mit Luna nichtsahnend durchs Düsseltal, als ein Beagle aus dem Gebüsch brach und uns mit wohltemperiertem Hetzlaut den Feldweg hinunterjagte. 

Luna explodierte schier vor Wut und riss mich in die Böschung. Während ich vom Fahrrad segelte, hörte ich die Beaglebesitzerin den kryptischen Satz ausrufen: »Du musst keine Angst haben, Schatz!« Ich weiß bis heute nicht, wen sie damit gemeint hat. Ihren Hund? Meinen Hund? Mein Fahrrad? Aber mir ist damals schlagartig klar geworden, dass ein Beagle und sein Halter etwas ganz Besonderes sind.

Mittwoch, 8. Februar 2017

Rudel di du dödel du.




Aus gegebenem Anlass – „Hinten ist alles okeeeeeeeeeee!" – eine aktualisierte Fassung des Rudlerbeitrags vom 5. Dezember 2014:


Eines schönen Herbsttages im Jahre des Herrn 2011 prangt in einem der größten Hundeforen des Landes ein denkwürdiger Satz. Man muss ihn sich auf der Zunge zergehen lassen: »Meine zwei Fellnasen sind einzeln schlafend, weil der NLH mit dem N3 nicht tiefenverknüpft ist.«

Samstag, 4. Februar 2017

Wiki.





Ich halte die eine Seite des Pizzakartons in der Faust, Wiki hat seine Zähne in der anderen vergraben. Wir starren uns in die Augen und machen beide ambitioniert RRRRRRRRRR. Zwischen uns ein blasser Aufdruck von Positano, aufgenommen von der Meerseite. In den Wellen dümpelt eine unansehnliche Pizza Funghi.

Es sieht nicht so aus, als trüge Wiki übermäßig Trauer. Zumindest nicht, wenn ihm einer die kitschige Pizzapappe wegnehmen will, in die er alle zweiundvierzig Beißerchen geschlagen hat. Oder wenn er am Mauseloch in meinen Schuh hackt, der ihn stupsend zum Weitergehen anregt. Oder – „Tschulldigung!“ – ungebremst in einen Hundeschulhaufen platzt, der gerade erzogen werden soll. Oder mit fliegenden Ohren und riesigen Sätzen neben dem Fahrrad galoppiert. 

Samstag, 28. Januar 2017

Luna.


„Also wenn Sie einen Ruhigen wollen, würde ich den da drüben empfehlen“, sagt die resolute Bauersfrau. Sie zeigt auf einen fässchenartigen Mini-Rottweiler mit Schäferhundohren. Der kleine Rüde liegt im Welpenhaufen und deutet mit einem Gähnen an, dass ihm alles, wirklich alles glatt am Arsch vorbei geht.

Es ist Januar 2005. Unsere Familie arbeitet seit einem halben Jahr an dem Projekt Familienhund Labrador. Wir 
durchpflügen das Labbiinternet, wälzen Labbifachbücher, quatschen Labbibesitzer an, besuchen Labbizüchter, besichtigen Labbiwelpen. Dann kommt uns ein Zettel am schwarzen Brett des Raiffeisenmarktes in Düsseldorf-Unterbach dazwischen. Neben einem Foto steht: Rottweilerschäferhundmixwelpen abzugeben. Och, denken wir, Rottweilerschäferhundmixwelpen sehen aber auch süß aus.

Freitag, 13. Januar 2017

Facebookkotze.








Weil nach unserem Socialnetworkabtauching viele gefragt haben: Alles gut, danke, uns geht’s prima. Die vereinigten Hobbyhitler haben mich nicht zum Schweigen gebracht; die Hunde nehmen nach wie vor das Viertel auseinander; unsere Laune ist ganz ausgezeichnet. Nur dass Wiki halt Facebook aufgefressen hat.

Danach hat er das gallengelbe Zeug auf den Rasen gekotzt und mich nicht mehr rangelassen. Den Film müsst ihr euch ansehen. Der Knabe kennt nix! 
Keine Ahnung, ob ich jemals wieder facebooken darf.