Samstag, 11. März 2017

Niedliche Nervensäge mit sechs Buchstaben.






Meine erste Bekanntschaft mit einem Beagle schloss ich als frischgebackener Neuhundbesitzer vor zwölf Jahren. Ich radelte mit Luna nichtsahnend durchs Düsseltal, als ein Beagle aus dem Gebüsch brach und uns mit wohltemperiertem Hetzlaut den Feldweg hinunterjagte. 

Luna explodierte schier vor Wut und riss mich in die Böschung. Während ich vom Fahrrad segelte, hörte ich die Beaglebesitzerin den kryptischen Satz ausrufen: »Du musst keine Angst haben, Schatz!« Ich weiß bis heute nicht, wen sie damit gemeint hat. Ihren Hund? Meinen Hund? Mein Fahrrad? Aber mir ist damals schlagartig klar geworden, dass ein Beagle und sein Halter etwas ganz Besonderes sind.


Der nächste Beagle, der in unser Leben trat, war nach einem berühmten Skispringer benannt: Eddie the Beagle. Wir machten zu der Zeit die grundlegende Erfahrung, was Hundeschule in Wirklichkeit bedeutet: Man holt sich jeden Samstag auf der Hundewiese einen mächtigen Einlauf ab und zahlt auch noch Geld dafür. Was haben wir gelitten! Bis Eddie the Beagle zu uns stieß. Von da an kassierte nur noch Frau Murzin die Anschisse. Wir anderen standen nicht mehr im Fokus von Krause, sondern nur noch mit unseren „Musterhunden“ feixend in der Sonne.

Während wir Fuß übten, hüpfte Eddie selig am Horizont entlang, daumennagelgroß. Bei Platz auf Entfernung lagen alle – bis auf Eddie. Der rannte nach dem Kommando einfach weiter und bog nach rechts in den Wald ab. Wenn er nach einer halben Stunde zurück kam, war seine Entschuldigung immer dieselbe: »Was kann ich denn dafür? Rehwitterung, Blümchen, Schmetterling, Maulwurf zwei Meter unter der Erde, Hundehaufen, Vogel, Wurm, Schnecke, Klee, drei Wochen alte Hasenspur – plötzlich wart ihr alle nicht mehr hinter mir!« 

Frau Murzin schmetterte derweil in allen Tonlagen »Eddie! Eddie!« durch den Wald. Bis unser Krause, ein überzeugter Vertreter des Nur-ein-Mal-Rufens, komplett die Nerven verlor und krakeelte: »Himmel, Arsch und Zwirn, Frau Murzin, es gibt nur eines, was noch schlimmer ist als ein Beagle! Und das ist ein Beagle-Besitzer!«

Jahre später haben wir Meier von Sophie Strodtbeck kennen gelernt. Der war bei uns zu Gast und benahm sich vom ersten Moment an, als würde er seit Jahren die Hypothekenraten für unser Haus begleichen. Zu den Mahlzeiten saß er auf allen Stühlen, derer er habhaft werden konnte, und betrachtete uns mit einem Blick, als hätte er zuletzt zur Zeit der Punischen Kriege etwas gegessen. Ab und zu verließ er die Küche und tobte – völlig unbeeindruckt von den anwesenden, gastgebenden Hunden – durch alle Betten des Hauses. 

Ein halbes Jahr später tauchten in den Timelines meiner Töchter immer noch Fotos von diesen besitzergreifenden Aktionen auf. Seit sie Meier kennen, sind sie beaglesüchtig, und ich spreche mindestens einmal pro Monat die dramatischen Worte: »Nur über meine Leiche.« Ein Beagle würde entgegnen: »Wenn’s weiter nichts ist.«

Ich freue mich jedenfalls, dass es jetzt ein wunderbares Beagle-Buch gibt, in dem alles steht, was man über diese einzigartigen, charakterstarken, bildschönen Nervensägen wissen muss. Obwohl ich davon überzeugt bin, dass es einem gestandenen Beagle völlig egal ist, welche Ratgeber seine Menschen lesen. Er macht ja doch, was er will.


Hier geht's zur dringend empfohlenen Bestellung.
Ja gut, 29,99 € sind ein strammer Preis. Aber hey,
ein Beagle, der unerzogen auf die Straße rennt und
einen 40-Tonnen-Tanklaster zur Vollbremsung zwingt,
der daraufhin in eine unbewohnte, denkmalgeschützte
Burganlage schleudert, die, nachdem der Fahrer in
letzter Sekunde abgesprungen ist, vollumfänglich
in die Luft fliegt und das im Ruhetag befindliche
Salvador-Dali-Museum in der Nachbarschaft
mit sich ins Nirvana zieht, kommt teurer!





Kommentare:

  1. So schön von Euch zu hören, bitte mehr!!!

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  2. Habe herzhaft gelacht :-)) Als Beaglehalter seit nunmehr 15 Jahren (Ja, ich bin Wiederholungstäter...) habe ich doch die ein oder andere Charaktereigenschaften (von Hund und Halter) wiedererkennen können. Das Buch wird bestellt...

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  3. Was haben wir gelacht, sind auch Beaglebesitzer ;-)

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  4. Da schmeißen sich auch nicht-Beaglebesitzer vor lachen in die Ecke :). Wird sofort bestellt!

    Bitte auf keinen Fall mit dem Schreiben aufhören, liebe Sophie

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  5. Beagle sind toll. Die lassen meine beiden, Pest und Cholera, immer gut aussehen

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  6. Hehe - ertappt ... und schuldig im Sinne der Anklage. Aber ich würde meine Nervensäge für nichts und niemanden in der Welt eintauschen! Sitz-Platz-Fuß wird eh überbewertet ;-)

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  7. Hallo Michael,

    das haste wieder absolut richtig beschrieben! :-)
    Und als ich die Zeile über die Beaglesucht deiner Tochter gelesen habe musste ich richtig lachen- und dich hiermit warnen!
    Mein Beagle ist charakterlich auch so wie diesem Post geschrieben, AAABER: er ist zusätzlich ein Krawaller, fast wie deine Luna! Leinenaggression a la Perfektion, und das anstrengende hierbei ist: er muss den fremden Hund gar nicht sehen (!), seine Nase ist so saugut, dass der Geruch des fremden Hundes, der vor 2 min vorbeigelatscht ist, ausreicht um ihn explodieren zu lassen.
    Er beißt andere Hunde nicht, entspricht aber in seinem sonstigen Verhalten der Luna.
    Dazu kommen noch die typischen Beagleeigenschaften. =)
    Sollte es also im Dodillet'schen Haushalt irgendwann einmal Beaglezuwachs geben, überlegt euch, wollt ihr wirklich 2 Jäger.. und dann viel Glück hinsichtlich des Charakters! ;-)

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  8. Ich liebe meinen feinen, braven, wohlerzogenen Beagle von ganzem Herzen und wollte ihn gegen keine andere Rasse tauschen. Ist zart mit dem Familienbaby, ganztags mit im Büro, kann manierlich an der Leine und manchmal ohne Leine laufen und hat den rassetypischen Humor... Merke: auch ein Beagle ist nur ein Hund ...

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  9. Hey, toll geschrieben und danke für die Empfehlung, ich werde mir das Buch genauer ansehen.
    Ich habe meinen Hund ein Spielzeugschweinchen
    bestellt, es macht ihm sehr viel Spaß damit zu spielen :)



    Mit vielen Grüßen
    Fabian von Hundespielzeug-21

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