Montag, 24. Juni 2013

Homöostase vs. Hypothalamus - eine wissenschaftlich-kritische Annäherung an das Markertraining.




Unter Markertraining verstehen wir heute den Umgang mit uns anvertrauten Lebewesen auf Basis modernster wissenschaftlicher Erkenntnisse. In der vorliegenden Arbeit soll die Kombination „Marker-Hund“ beleuchtet werden. Delphin, Wellensittich und Silberfisch werden in einer separat geführten Abhandlung zu berücksichtigen sein.

Beim Markertraining belegt der Markernde (i.w.S. der Mensch) das zufriedenstellende Verhalten des zu Markernden (i.e. Hund) mit einem Signal. Dies kann ein Wort sein oder ein Geräusch. In 82,5% der Fälle verwenden die Markernden einen emotionsfreien Klick, der mithilfe eines marktüblichen Klickerinstruments erzeugt wird.1


Dies führt – korrekt ausgeübtes Markertraining vorausgesetzt – zu einem Leben in konsequent positiver Bestärkung. Die gezeigten und belohnten Verhaltensweisen werden vom Hund selbstätig wiederholt. Negatives Verhalten wird ausgeschlichen2, da durch das zeitnahe Angebot eines Alternativverhaltens der Hund relativ umgebungssicher verknüpft, was erwünscht ist und was nicht.

Einer der häufigsten Einwände der Markerkritiker, das Leben sei keine Laborsituation3, wurde nun durch eine internationale Studie widerlegt. Stroppka/Konopka wiesen in ihrem Doppel-Blind-Versuch „Frontal Behaviour in Excessive Aversive Confrontations“4 schlüssig nach, dass Markertraining für Hunde das Mittel der Wahl ist, um den Halter sicher durch Extremsituationen zu führen.

Die führenden Kynologen setzten ihre Probanden einer klassischen Situation aus: der Aufenthalt im Wartezimmer des Tierarztes verbunden mit der überraschenden Konfrontation der Anwesenden durch Stroppkas rauflustigen Rauhaardackel Arnold5. Insgesamt waren es 1.526 Versuchspersonen, die seit mindestens fünf Jahren erfolgreich das Markertraining praktizierten. Die Studie gilt als repräsentativ. 

Das Ergebnis war selbst für Experten verblüffend: 56,5% der Hunde veranlassten die begleitenden Menschen, sich mit einer spontanen Clickersalve aus ihrer angeborenen Lethargie zu verabschieden. 38,4% entlockten ihren Haltern wiederholt die Begrifflichkeiten Eaaasyyy oder Gooood Giiirl, mit deren Hilfe sich über die Hälfte der Halter zuverlässig entspannte. 32,9% boten ihren Besitzern ein Alternativverhalten an, indem sie ihnen eine Broschüre von Dr. U. Blaschke-Berthold zum Blättern anreichten. In nur 18,5% der Fälle kam es seitens der Halter zu Übergriffen auf den Halter des Dackels.6 (Hinweis: Kombiniertes Mehrfach-Verhalten führt zu einem Gesamtprozentsatz von über 100%.)

„Evident ist, dass gemarkerte Hunde jederzeit in der Lage sind, ihre Halter sicher durch Konfrontationen zu führen“, fassen Stroppka/ Konopka die Resultate der Untersuchung zusammen. „Das ist zwar nur durch jahrelanges Training möglich. Dennoch werden die Kritiker des Markertrainings ihre ablehnende Haltung überdenken müssen.“7

Derzeit untersuchen Forscher am Münchner Institut für Rede und Antwort (IRA) unter der Leitung von Heinz-Georg Drescher das anschließende Kommunikationsverhalten der Probanden in Foren und Facebookgruppen. Erste Ergebnisse deuten daraufhin, dass der Testverlauf sehr selektiv wahrgenommen wurde.

Die Mehrzahl berichtet von zwei massiven Rottweilern, die sie im Wartezimmer eines Arztes angegriffen hätten.8 Während andere Anwesende laut schreiend davon gelaufen seien, habe man selbst souveräne Ruhe bewahrt. Die Angreifer seien sanft am Geschirr gegriffen, der eigene Hund sei konditioniert entspannt worden. Parallel habe man den Anwesenden ihr Fehlverhalten erläutert und die grundlegenden Prinzipien des Interessenverbandes Diskutieren statt Trainieren (DsT) dargelegt. Im anschließenden Austausch mit dem Tierarzt habe man diesen in gebotener Schärfe angewiesen, die Wartezimmersituation angstfreier zu gestalten.9

72 % der Stroppka/Konopka-Probanden begannen ihren Bericht mit den Worten „Ich weiß nicht, ob ich das hier posten darf“. Der Gebrauch ausgewiesener Termini Technici wie Hundi, Wauzi, Windi, Weimi, Rotti, Mauli und Besi war signifikant. Bis zum ersten Kommentar „Ich wünschte, ich wäre auch schon so weit wie ihr“ vergingen im Durchschnitt 13,5 Sekunden.10 

Das lässt für die Zukunft hoffen. Heinz-Georg Drescher in einer ersten Stellungnahme zum Sachverhalt: „Jo mei.“11

© Michael Frey Dodillet | Die Krawallmaustagebücher 2013





1 Rainer Wermuth, „Gängige Signalgebungen im Hundewesen“, Zürich 1995, S. 54

2 Anni Ranzmair-Seeligenheim, „Fantasie beim Alternativverhalten – Geduld beim Ausschleichen“, Köln 1997 - 2013, S. 17

3 Mrozinski, Normen et al., „Gewaltfrei aufs Maul - Eine Anthologie“, New York 2011, S. 308ff.

4 Jeff Stroppka/Walter Konopka, „Frontal Behaviour in Excessive Aversive Confrontations“, Boston/Pleidelsheim 2013, S. 435 ff.

5 Stroppka/Konopka, a.a.O., S. 73

6 Stroppka/Konopka, a.a.O., S. 783

7 Stroppka/Konopka, a.a.O., S. 911

8 Heinz-Georg Drescher, „Pinocchio im sozialen Netzwerk – Über das Aufschneiden in Forendiskussionen“, München 2013, S. 143

9 Drescher, a.a.O, S. 165

10 Drescher, a.a.O, S. 198

11 „Ich aber sage euch, hüten müsst ihr euch vor jenen, die man nach der Geburt dreimal hochgeworfen, aber nur zweimal aufgefangen hat.“ Brian 7|32, Bibel, Judäa 33 n. Chr.




Kommentare:

  1. Eine Google-Suche nach der Studie von Stroppka/Konopka führte direkt zu folgender Arbeit Female menstrual phases modulate human prefrontal asymmetry. Was immer das bedeutet...

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  2. Super. Habe herzlich gelacht. Klasse geschrieben. Vielen Dank für die erhellenden Worte.

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  3. Fakten!!!! Mir fehlen Fakten!!!! Wie hoch ist der NNT? Wie ist die Therapeutische Breite???? Das musst Du im Schlaf können, sonst zerlegen die von der Wattebauschfront diese Studienzusammenfassung sofort und Klickern einen zu Tode :o)

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  4. Montag,15:15 ... da fällt mir doch fast der Kaffee aus der Hand,bzw. ich pruste ihn gegen den Läppi-Monitor :-D
    Wollte den Artikel schon weiterreichen,an mir bekannte Kynologin und Sachbuchautorin,habs mir aber verkniffen. Denn:

    „Ich aber sage euch, hüten müsst ihr euch vor jenen, die man nach der Geburt dreimal hochgeworfen, aber nur zweimal aufgefangen hat.“ Brian 7|32, Bibel, Judäa 33 n. Chr.

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  5. Klasse geschrieben. Bin gespannt, ob jetzt auch ein Kommentar
    des anonymen Disporitters kommt. Weiter so. LG Hilla

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  6. Herr Dodel...Dudel...Düdel...ach verdammt, Michael,

    erschreckende Erkenntnisse, die mich zutiefst bestürzen, förderst Du da zutage.

    Schade, dass die Abhandlung "Shitstorms from shitbrains concerning irrelevant tin cup-actions" (2012 compl. moron et. anal) unberücksichtigt geblieben ist.

    Schönen Tach noch, gute Reise und Du weißt ja, die Antwort ist 42. =D

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  7. vor allem der letzte abschnitt gefällt mir ausgesprochen gut :-D

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  8. Zitat: Dies führt – korrekt ausgeübtes Markertraining vorausgesetzt – zu einem Leben in konsequent positiver Bestärkung.

    Ja, wenns schon hier falsch losgeht: korrekt ausgeuebt gibt es eben kein Leben in konsequent positiver VERstaerkung.
    Fest sitzende Verhaltensweisen brauchen keine permanente Verstaerkung. Ebenso wie die Metallfraktion versagt, wenn negative Verstaerkung konsequent lebenslang zum Einsatz kommt. So, oder so - Stuemper versagen immer.

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    1. Da mussten doch tatsächlich 9 elendige Stunden vergehen, bis der Erste kommt, der es ernst nimmt.

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    2. Schon wieder falsch.
      Aber Asche aufs Haupt: die smileys hab ich unterlassen.
      Beschwichtigungsemoticons gibts hier auch nicht.

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  9. Zitat: „Evident ist, dass gemarkerte Hunde jederzeit in der Lage sind, ihre Halter sicher durch Konfrontationen zu führen“ Zitatende

    Man beachte den zeitlichen Aufwand und lege dem jeweiligen Hund nahe sich zu überlegen ob ein etwas intelligenterer Hundehalter nicht vielleicht doch sinnvoller wäre als ein lebenslanges Training desselben.

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  10. Mein Zweifel, ob die Lektüre von Stroppka/Konopka - von mir bislang eher für einen moldawischen Volkstanz gehalten - zu einem signifikant erhöhten Pegel des Hundeverständnisses, den wir ja alle anstreben, sofern ein Mindestmaß an Verantwortungsbewusstsein als Hundehalter noch ins ruht, führt, wächst.

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  11. Ich vergaß den Hinweis auf das einzige Medium, in dem ein Betroffener zu Worte kommt.

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  12. Ok, mein Gesichtsausdruck hat sich in folgender Reihenfolge geändert:

    -> Interessiert (oh da gibts wohl mal was interessantes neues)
    -> Augenbraue nach oben (okaaayyy du kennst seine Bloggbeiträge, bist du dir sicher, dass er es ernst meint?)
    -> 2. Augenbraue hoch (immer mehr Zweifel schleichen sich ein)
    -> Kopf landet auf dem Tisch (aaahhhhhh hahahahaha)

    Mein Lieber Herr Michael. Was kann ich dagegen tun? Ich meine abgesehen davon andere Tabletten zu nehmen. Klickertraining?

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  13. Ja ich habe es meinen Hunden vorgelesen und die meinten es fehlt der wissenschtliche Tiefgang da hier die klickerfreie Kontrollgruppe fehlte !

    Sie stellen sich gerne zur verfügung..

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sie kommen von euren Hunden. :o)