Samstag, 20. April 2013

Ab heute sind wir blau.






Luna atmet tief durch und wirft mir einen gereizten Blick zu. Ich kenne diesen Blick gut. Er bedeutet: „Warum hast du uns das angetan, du Idiot, es war so schön ruhig hier!“

Was ist passiert? Was kann so dramatisch sein, dass es einen vierzig Kilogramm schweren, siebenundsechzig Zentimeter hohen Schäferhundpumakängurumischling von altem Krawall-Adel, dessen Unbotmäßigkeiten ein ganzes Buch füllen, aus den Latschen haut?



Wiki ist passiert! 



      
Gemischtes Doppel.
Der Wahnsinn geht weiter.

Der Zweithund-Virus schlägt zu. Sämtliche umliegenden Tierheime werden abgeklappert, und es kommt, wie es kommen muss: Hündin Luna verknallt sich Hals über Kopf in einen zwölf Monate alten Schwerstrüpel, einen Mix aus kleinem Jagdhund und noch kleinerem Terrier – hyperaktiv und pubertierend. 

Als man sich entschließt, ihn aufzunehmen, ahnt keiner, auf welches Chaos man sich einlässt. Jung, ungestüm und mopsfidel – das ist Wiki, der jüngste Hundespross in der Familie. Kaum hat der Kleine die Probezeit überstanden, zeigt er, was er wirklich draufhat. 

Gänse jagen in Nachbars Garten, Butter vom Frühstückstisch klauen und BHs zerfetzen sind bevorzugte Hobbys und treiben Herrchen in den Wahnsinn. Aber auch Lunas Geduld hat Grenzen, als der Rotzlöffel am dritten Tag in Folge ein Kaustäbchen aus ihren Pranken mopsen will: Sie verpasst dem Kleinen eine gehörige Abreibung, die fünf schmerzhafte Stiche beim Tierarzt einbringt. Womit ein für alle Mal geklärt wäre, wer hier der Chef ist. 

(Ich schon mal nicht.)



Ein ganz normaler Tag 
im Leben von Luna und Wiki.

04:30 
Zweistimmig den ersten Spatz auf dem Fensterbrett anbellen.
05:30 
Sich vor Zweibeinerbetten aufstellen. Bellen, fiepen, heiser jaulen. 
06:30 
Eine Unterhose erbeuten und zerkauen. 
06:35 
Eine Wäscheklammer verzehren. 
06:40 
Jammern! 
06:45 
Wirkt immer. Zweibeiner stehen auf. 
07:15 
Abhauen und beim Nachbarn die Enten um den Teich jagen. 
07:25 
Eingefangen werden. Anschiss kassieren. 
07:30 
Zusehen müssen, wie das Loch im Zaun mit Baumscheiben verstopft wird. 
10:45 
In den Garten schleichen. Baumscheibe zwischen die Zähne nehmen und gemeinsam wegtragen. 
10:46 
Erwischt werden. 
10:50 
Bei verschlossener Terrassentür in der Küche Trübsal blasen. 
11:30 
Spätes Frühstück. Nicht satt werden. Lunas Napf ernsthaft in Betracht ziehen. 
11:31 
Der spinnt ja wohl! Vorwitzigen Rüden verkloppen.
11:32 
Mist, die meint das ernst! Brustwunde entgegennehmen. 
11:33 
Grummeln. Rummaulen. Wunden lecken. 
13:33 
Sich bei Luna entschuldigen. Scheitern. 
16:00 
Zum Tierarzt fahren. Wieso? 
16:10 
Düdeldödeldadel, was is’n jetztssssss? (Vollnarkose.) 
16:15 
Tsssssssssssss. (OP. Ein Reißzahn ist tief in den Pectoralis eingedrungen. Wird mit fünf Stichen genäht.) 
17:30 
Wieder daheim. Ein bisschen wanken und Mitleid erregen. 
19:00 
Pectoralis tut weh. Alles Scheiße. Nie wieder Fremdnapf. 
19:29 
Abendessen. In den eigenen Napf starren. Bloß nicht rüberschielen jetzt! 
19:30 
Abendessen. Wehe, der schielt hier rüber! 
20:00 
Drei Folgen Lassie gucken. Streber! 
23:00 
Ins Zweibeinerbett mogeln. 
23:01 
Dielen sind doof. 
23:10 
Erneut Bettasyl beantragen. 
23:20 
Unverrichteter Dinge ins Körbchen trollen. Bettruhe. 
04:30 
LINGELING! Sich auf den neuen Tag freuen und allen schon mal Bescheid sagen!!!

      
272 Seiten drunter und drüber. 
Mit allerneuestem Krause-Irrsinn!

Die vergeblichen Bemühungen, wenigstens ein bisschen Ordnung ins Chaos zu bringen, werden sorgfältig, ehrlich und ungeschönt  in den drei Geschichten des 5. Kapitels Die Schul-Schwänzler zusammengefasst.

Bloody Wurstfinger erzählt vom positiv bestärkenden Versuch, Luna mit Blutwurst vollzustopfen, während sie sich aufregt. Ein Pils für den jungen Mann berichtet von dramatischen Maßnahmen, Wiki das Löchern von Familienmitgliedern abzugewöhnen. Sind wir nicht alle ein bisschen Krause zeigt auf, dass wir nicht die einzigen Hundehalter sind, die albernes Zeug veranstalten, ohne rot zu werden


Die dritte Geschichte ist unter tatkräftiger Mitwirkung der Krawallmausgemeinde auf Facebook entstanden und fast genauso ins Buch gerutscht, wie sie im Februar 2012 hier aufgeschrieben wurde. Danke an euch alle!



Ab heute als Paperback, E-Book & Hörbuch.


© Michael Frey Dodillet | Die Krawallmaustagebücher 2013






Kommentare:

  1. ...und wehe der Großhändler hat es noch nicht in unseren Laden geliefert! Gleich mal schauen...

    AntwortenLöschen
  2. Achja, das kenne ich.
    Nach 2 Jahren mit pöbelndem Einzelhund den Zweithund dazugeholt - Terrier.
    Das Chaos in mühseliger Arbeit in den nächsten 2,5 Jahren beseitigt. Glücklich mit zwei leidlich gut erzogenen Hunden fast nicht mehr pöbelnd durch die Welt gezogen. Und dann der alles entscheidende Satz...
    Wenn wir zwei schaffen, schaffen wir auch 3?!
    Wir starten gerade in die nächsten 2-100 Jahre Chaos mit 3! pöbelnden Hunden. Denn wenn die Neue schreit, dann fallen die anderen Weiber doch gerne wieder mit ein.
    Bin gespannt, wer bei euch noch einziehen wird.

    AntwortenLöschen
  3. Noch im fortgeschrittenen Welpenalter des Ersthundes (Typ Streber und Nie-was-Kaputtmacher) bereits für den Zweithund entschieden (Typ Sorgloser Allesfresser mit Schredderpotenzial). Trotz aller Nebenwirkungen, von denen jeder Hundebesitzer ein Lied singen kann, eine der besten Entscheidungen des Lebens!

    AntwortenLöschen
  4. Amazon liefert es erst ab dem 22.4. auf den Kindle... noch sooo lange... aber wir freuen uns drauf!!!

    AntwortenLöschen
  5. Frauchen von Herrn von und zu Schwachkopf20. April 2013 um 23:33

    Hab gerade in das Kapitel mit dem Aiko reingelesen und es kam mir so bekannt vor. Alles ne Nummer kleiner, auch die 3-Zimmerwohnung ohne Garten, aber die Spielchen wurden auch betrieben. Ich wurde eines nachts halb zwei von meinem Schwachkopf aus dem Bett gebellt, weil der andere es gewagt hatte, auf dem Sofa zu sitzen (meiner darf auch rauf...). Da hatte ich dann zwei Hunde sitzen, den einen mit wunderschönem über-die-Schulter-Blick "Ja, sie wünschen?" und der andere mit dem bitte-nicht-schlagen-Blick auf seinem Kissen. Draußen ist es ja immer ganz angenehm, wenn der Herr Hütehund mir die Gasthunde zurücktreibt wenn sie abhauen wollen, aber doch bitte nicht mitten in der Nacht :P

    AntwortenLöschen
  6. Gewartet...gekauft...gelesen...gelacht...getröstet worden... geseufzt...La Lünette geknuddelt...alles ist gut... Danke.

    AntwortenLöschen
  7. Hallo^^
    Ich habe mir das Buch gestern gekauft. Ich finde es einfach nur super *-*
    Ich habe heute Morgen um 05:13 die letzte Seite gelesen und war enttäuscht! Will einfach noch mehr Bücher von den beiden :)

    lg Alina

    AntwortenLöschen

Krawallkommentare sind verboten. Es sei denn,
sie kommen von euren Hunden. :o)