Donnerstag, 17. Januar 2013

Krawalljahresrückblick Zweitausendzwölf.





Zweitausendzwölf war das Jahr, in dem das Pärchenpack innig miteinander verschmolz. Nein, keine Welpen! Im Grunde ist er ja okay, dachte Luna so um Weihnachten herum, ich behalte ihn doch. Man soll ja auch zum Fest keine Hunde an Kurzentschlossene verschenken, sonst werden die noch ausgesetzt. Vor allem, wenn es solche Danäer-Geschenke sind wie Wiki. 

Wenn unsere Kinder früher zu sehr über die Schule gemotzt haben, hoben wir Erziehungsberechtigten immer einen bedächtigen Zeigefinger und sprachen: „Du sagst jetzt sofort drei gute Sachen über Bio.“ Luna ging es neulich genauso. Sie musste drei gute Sachen über Wiki sagen. Nach längerem Nachdenken kam folgendes dabei herum:


1. Er hat Ohren.
2. Er hört nicht.
3. Er mault nicht beim Durchkneten.


Der 2012er Lesungsjahrgang war ein ganz besonderer. Nur liebe Leute, kaum Pannen. 

In Alzey tauchte urplötzlich ein fremder Hund im Saal auf, worauf mir mitten im Text die Gesichtszüge entgleisten. Zum Verständnis: Wenn man auf einer hellen Bühne steht und liest und einen großen Hund durch den dunklen Zuschauersaal streifen sieht und wenn man denkt, es wäre der eigene, weil der ja der einzige hier ist, und wenn man sich dann umdreht und sieht, dass der eigene, einzige direkt hinter einem auf der Bühne liegt und wenn man sich daraufhin erbleichend fragt „Wenn meiner hinter mir liegt, wer ist dann der da unten?“ und wenn man unlängst 980,45 Euro für eine Schlägerei unter DSH-Mixen bezahlt hat und wenn all diese Gedanken innerhalb von wenigen Zehntelsekunden im Hirn detonieren - - - - dann braucht man schon mal Herztropfen.

Die Lesung in Singen im November 2012 muss ebenfalls in den Anekdotenschatz aufgenommen werden. Als alle Bücher signiert und alle Gäste weg sind, frage ich die Buchhändlerin, ob die Tür unten zu sei. Sie sagt, ja klar, da käme von außen keiner rein. Daraufhin lasse ich Luna laufen, packe gemütlich meine Sachen und unterhalte mich noch ein bisschen. Derweil latscht Madame die Treppe hinunter ins Erdgeschoss und tappt einmal kurz vor die Automatiktür. Die öffnete sich prompt. Von innen geht das nämlich tadellos, wenn man mehr als 30 Kilo wiegt. Luna verschwindet nächtens in der Hegaustraße - unangeleint, unbeleuchtet, unvermummt.

Als ich zehn Minuten später nach meinem Hund pfeife, trabt der nicht irgendwo hinten aus der Buchhandlung hervor, sondern steht draußen vor der Scheibe. Die Singener Buchhändlerin weiß seither, wie mein Alzey-Gesicht aussieht. 

Von Kollateralschäden ist anderntags nichts in der Zeitung zu lesen.


Für die Jahresstatistik. 
2 von 4 Ochsenziemern werden nach dem Verzehr wieder ausgekotzt und nach dem Auskotzen wieder verzehrt.

1 von 2 Hunden im Haushalt bewacht immer noch knurrend sein Erbrochenes.

9 von 10 Hunden, die von ihren Angebern lässig auf Entfernung ins Sitz gebracht werden, wenn Luna, Wiki und ich dahergeradelt kommen, springen auf und jagen uns. 

12 von 10 Angebern, deren „sitzende“ Hunde Radfahrer jagen, entschuldigen sich nicht. 


Der Krausetipp des Jahres kann momentan nicht prämiert werden. Die Jury windet sich seit Tagen in Krämpfen und ist nur bedingt ansprechbar. Wir veröffentlichen daher nur die Shortlist-Nominierungen.

1. Ein Schäferhund, der die Unterarme seines Besitzers blutig beisst, ist sanft am Geschirr zu fassen und behutsam vor die Tür zu setzen. Nach maximal 30 Sekunden ist ihm ein Alternativspiel anzubieten.

2. Hunden das hysterische Türklingelbellen abzugewöhnen geht ganz schnell, wenn man den Hund von der Tür fernhält und vermeidet, dass er Geräusche hört.

3. Umarmen Sie in der Dämmerung Mülltonnen, wenn Sie einen Hund haben, der sich in der Dämmerung vor Mülltonnen fürchtet.

Sieger in der Kategorie Marketinggenie des Jahres ist ein Krause aus Kuhkaff in Schleswig-Holstein, der im Rahmen der Napfaffäre fulminant gegen Gewalt in der Hundeerziehung zu Felde zieht, aber leider übersieht, dass er auf Facebook mit Bildern wirbt, die zeigen, wie er seine Schützlinge an der Fünf-Meter-Leine von den Füßen reißt.

Der Preis für das Lehrvideo des Jahres geht an „Der doppelte Rückruf klappt bei uns schon richtig gut“ und zeigt einen Hund, der vergnügt im Wald verschwindet, mit Yippie! zur Umkehr veranlasst und mit Bingbingbing intermediär begleitet wird, bis er nach 2:38 Minuten wieder beim Halter auftaucht.

2:38!

In dieser Zeit hätten meine Hunde zwei Kaninchen umgebracht, filetiert, in Senf-Rosmarin-Balsamico mariniert und bei 78,5°C sous vide gegart. 


Tierarztkosten Erkrath: 80,00 € (Nur Impfungen und Wurmkur. Bitte keine Impfdiskussion. Danke.)

Tierarztkosten Singen: 0,00 € (- 980,45 € im Vgl. z. Vorj.)

Arztkosten Alzey: 6,95 € (Herztropfen)


Gute Vorsätze für 2013.
Erstens: selbstbewusster auftreten! Luna auf der Hundewiese ableinen und während des Scharmützels behaupten: „Meine Hündin ist so gut sozialisiert, dass sich alle anderen nicht mit ihr vertragen.“

Zweitens: nicht immer alles auf die eigene Kappe nehmen! Auch mal sagen: „Ihrer hat angefangen! Er ist Luna dreimal hintereinander in beschädigender Absicht in den Fang gesprungen.“

Drittens: mit dem Erreichten einfach mal zufrieden sein! Wenn Wiki das nächste Mal ausbüxt, Kamera draufhalten, 2:38 Minuten lang Bingbingbing in den Wald hineinsingen und das Ganze mit dem Vermerk „Der doppelte Rückruf klappt bei uns schon richtig gut“ bei YouTube hochladen.


Euch allen und euren Hunden ein glückliches 2013. Es macht großes Vergnügen, für euch zu schreiben. Treffen wir uns dieses Jahr auf der ein oder anderen Lesung? Luna, Wiki und ich würden uns sehr darüber freuen. Falls ihr mich nicht auf Anhieb erkennt: Ich bin der mit dem Alzey-Gesicht.

© Michael Frey Dodillet | Die Krawallmaustagebücher 2013






Kommentare:

  1. Ach - Krawallmaus - ich freu´mich so - du bist einfach nur - genial.
    Wuff und LG
    Aiko

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  2. Kann ich nur unterschreiben! Mein Hund und ich wälzen uns immer wieder vor Lachen am Boden!
    ... Und was die Lesungen betrifft: Nichts wäre uns lieber als das!!! Lest ihr denn auch mal in Bayern?

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  3. wenn ich das lese, fühl ich mich richtig wohl und muss lachen -und finde es nicht mehr ganz so schlimm,daß mein Hund mich heut stehen ließ ,um mit einem netten älteren Pärchen und deren Hund mitzulaufen... bewaffnet mit Bällchen und Leckereien verhalte mein Rückruf im Nirvana ,ich nehms mit Humor und der Autor hilft dabei-Danke ;:o)

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  4. Ich bin auch für eine Lesung in Bayern!!

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  5. Luna hat definitiv eine Halbschwester, und die bin ich.
    Wird Zeit, dass dein anderes Leinenende endlich mal eine oder mehrere Lesungen in Hamburg durchführt!

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  6. ich stimme auch für Hamburg, und das schon seit jahren! Aber er hört ja nicht. Warum wundert mich das nicht?

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  7. Und was ist mit Nienburg an der Weser??? Aber Hannover ginge auch!

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  8. Yuki und sein Anhang wären für eine Lesung bei Michael Grewe!
    Wir bringen auch Brownies mit. Im Hello Kitty Ersatzkostbeutel, versteht sich.

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  9. Den Jahresrückblick finden wir superklasse.
    Vor allen Dingen, wo Luna draußen vor der Glastür
    auf der Straße stand, aber eigentlich ist es logisch,
    daß nix passiert ist, weil ja der Rückhalt von Deiner Seite fehlte!! Bei meinem Krawallmonster wäre ich mir da nicht
    so sicher! Wenn Du eine Lesung von Herrchenglück machst, werde ich versuchen, wieder einen Termin in Langenberg zu arrangieren,
    weil der Herr Kape ein Klassenkamerad von mir ist, aber
    versprechen kann ich nichts??!!
    Viele liebe Grüße
    Hilla und Luna

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  10. Wir notieren: zweimal Bayern, zweimal Hamburg, Nienburg, Hannover, Bad Bramstedt, Langenberg; drüben auf der Lesungsseite wird nochmal Bayern und auf keinen Fall Salzburg gewünscht. Mal sehen, was sich machen lässt.

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    1. Nicht nur Bayern im allgemeinen, sondern Augsburg im Besonderen wäre gaaanz super - vielleicht sogar am 15.April mit M. Grewe im Doppelpack.... das wär doch was oder....????????????


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  11. Bayern ist nicht gleich Bayern - Richtung Franken wäre mal was ! Das sag ich übrigens auch schon länger ... aber mir will auch niemand zuhören ...

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  12. Genau wie beim Menschen ist es für das Tier wichtig, dass es regelmäßig zum Arzt geht und es durchgescheckt wird.

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  13. ap@dankewirsindzufrieden.com (ebenda)20. Januar 2013 um 13:29

    Bis eben haben Sie an mir/uns unbemerkt vorbeigeschrieben, nur gut, dass gute Leute gute Links zu schicken bereit sind. Mein Senf nun deshalb hier, weil's beim Grewetext nicht geht, dabei wollte doch unbedingt dort vermerkt werden, dass Ihr Gedankengang der bis dato klügste von mir zum Thema gelesene ist, Kompliment also. Gilt übrigens auch allgemein: Ihre Entscheidung zur öffentlich gemachten, couragierten Flucht nach vorn bzgl ihrer Hunde verdient allen Respekt. Ja, Lachen ist manchmal doch der Menschen beste Medizin. Alle Solidarität, A Pluskwa (ebenfalls mit "etwas anderen" Hunden gesegneter, dadurch zu Entwicklung und Hingabe bewegter Hundehalter, der, das mal ganz am Rande als Idee wg. Karmapunktverlust und so, gar das Werbetexterdasein an den Nagel hängte, um das teure Hundemenschenleben nicht via Produktion von Kulturmüll leistbar machen zu müssen - neuer Job, neues Glück; seitdem klappts auch mit den Hunden (Alter, oft vergessener Hut: Falsche Arbeit macht krank. Vermutlich haben Ihre Hunde Sie deshalb zu sinnstiftenderen Tätigkeiten geführt.))

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  15. Wie wäre es denn mit einer Lesung im Ausland? La Lünette(so nenne ich meine Luna oft) und ich würden uns über einen Auftritt von Ihnen in der Schweiz sehr freuen. Nebst den tausenden, mir unbekannten Fans, kämen natürlich auch alle die ich mit Ihrem Buch versorgt habe. Das ideale Geschenk, auch für nicht Hundehalter. Es gieren übrigens schon alle nach dem neuen Werk! La Lünette bietet Luna und Wiki unsere fünf Katzen als Bestechung an, sollten die 2 Sie überreden nach Bern zu kommen. Die Miezen sind die Usain Bolts und Mike Tysons der Katzenwelt! soviel zu den Danäer-Geschenken...
    Danke für Ihre tröstlichen, trefflichen und unglaublich lustigen Berichte!

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    1. Wir sammeln seltsame Hunde. Und wenn wir nicht gerade lesen, erzählen wir von ihnen.

      Hedwig, ihr würdet staunen, wenn wir nach Bern kämen. La Lünette – das an schweizerische Tiefbauunternehmen vermietete Sprengkommando – ist mittlerweile fester Bestandteil der Lesung.

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  16. Ach ja, das wäre wie Weihnachten und Ostern zusammen, wenn Sie nach Bern kämen. Im Staunen sind wir übrigens richtig gut: wenn Sie ins Publikum gucken fühlen Sie sich wie vor der Fischtheke beim Feinkosthändler: überall nur offene Münder und Glubschaugen. Schon dieser Anblick wär doch die Reise wert?

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  17. :-)
    Es macht Vergnügen, von dir zu lesen!
    Gerne würd' ick euch auf 'ner Lesung treffen... Berlin?!!!

    Euch auch ein glückliches 2013.
    Die dreisten Drei aus... jenau Berlin.

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    1. Ich bin für eine sehr zeitnahe Lesung in Hamburg.
      Dafür verkaufen wir glatt unsere Trulla für den Abend, damit Luna keinen Herzkasper bekommt.
      Denn ich glaube fast, für unsere Dynamit-Trine ist Luna fast schon etwas betagt!

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  18. Wir sind für Ludwigshafen oder nähere Umgebung (Worms bis Speyer bzw. Bad Dürkheim - nicht im September, da ist Wurstmarkt und alle weinselig - bis Heidelberg) als Lesungsort. Auch wenn ich nicht mitkommen darf - schnief.

    LG Rolli-Rotti, Twinmama und Geier

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  19. An den Wochenenden liegt unser kleines Rudel nachmittags zum Entspannen gerne zusammen auf dem Sofa. Frauchen ließt uns dann von Lunas Abenteuern vor. Manchmal kommt sogar der Kater dazu.
    Coole Geschichten! Luna, von dir kann ich noch viel lernen!

    Komm doch mal nach Schleswig! Meine Zweibeiner würden sich freuen!

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  20. Bitte auch Thüringen/Erfurt einplanen. Drecksack Chaco und Ben das Schaf lieben Luna´s Abenteuer!

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sie kommen von euren Hunden. :o)