Mittwoch, 16. Mai 2012

Fünf elementare Irrtümer über das Schriftstellern.






Es ist wenig wahrscheinlich, dass künftige Schülergenerationen auf der Suche nach Meilensteinen der Weltliteratur auf diese Seite geraten. Aber man hat schon Pferde kotzen sehen. Wenn die lieben Kleinen dermaleinst den verwegenen Berufswunsch äußern, reiche und berühmte Schriftsteller werden zu wollen, möchte ich jedenfalls nicht derjenige gewesen sein, der geschwiegen hat. 

Daher sei an dieser Stelle schon einmal vorsorglich gewarnt: „Kinder, das ist nix!“ Lernt etwas Vernünftiges - Metzger, Brückenbauer, Radiologe - oder eröffnet ein schönes Gartencenter. Das ist allemal geeigneter, um Millionen zu verdienen. Wer  berühmt werden will, soll in seinem Gartencenter eine üppige Hanfplantage anlegen. Damit kommt man immer in die Zeitung.


Irrtum 1: Verschwenderischer Reichtum.
Natürlich ist die Kunst nicht brotlos. Genau genommen ist sie auch nicht brotaufstrichlos. Aber zu neunundneunzig Prozent ist sie sportwagenlos. Das ist für Herren, die die Fünfzig überschreiten, eher ungünstig. Sie müssen mit einem blechernen VW-Bus in ihre Midlifecrisis holpern. Wie sieht denn das aus!?

Auf dem Beifahrersitz räkelt sich auch keine langbeinige Blondine, sondern eine emotionsflexibel veranlagte Andersbefähigte im Fellwechsel, die alles zusammenscheißt, was vier Beine hat, sowie ein halbgestörter Radaurassel, der gnadenlos jeden zwickt, der ihm den frisch erbeuteten BH wegnehmen will.

Irrtum 2: Inspirierende Immobilien.
Die Regel sind nicht hochdeckige Altbauwohnungen in Paris oder großzügige Landgüter in der Provence, sondern Zweckbauten in langweiligen Kreisstädten. Wenn es hochkommt reicht es zu einem alten Fachwerkhaus, wo alle naslang ein Balken oder ein Dachziegel runtersemmelt. Das inspiriert nicht. Höchstens, wenn man direkt darunter steht.

Irrtum 3: Hingerissenes Feuilleton.
Man schlägt mitnichten DIE ZEIT auf und entdeckt die tiefsinnige Besprechung seines Lebenswerks auf einer ganzen Dopppelseite. Man schafft es nicht einmal in die Rubrik Wir raten abWer nicht bis zur Verständnislosigkeit geschraubt schreibt, also quasi geschraubeibt, wird vom Feuilleton übersehen. Das macht aber nichts, weil es zum Ausgleich amerikanische Buchvertriebs-Plattformen gibt, auf denen einen die Nörgelis der Nation mit Wohlwollen überschütten.

Helga aus Bayern: „Fast schon prolletische Züge tragende Satzformulieren ... so mancher 2. Klässler verfügt über einen gebildeteren Sprachschatz.“ Mariemarie aus NRW: „Zu bemüht auf gewollt lustig gebürstet. Da lache ich lieber über Rütters ... vorhersehbare Gags.“ Peter aus B'stedt: „Schade um jede Eurone für dieses zwanghafte Machwerk.“ Paula aus Weißdergeier: „Herr Dodillet sollte besser kein Buch mehr schreiben.“ 

Ebenfalls zum Niederknien schön sind ambitionierte Besprechungen des Typs Der Apfel schmeckt gut, ich kann aber leider nur einen Stern vergeben, weil er keine Birne istAutoren, die schussfest sind, tun sich hier leichter. Auch hilft es, wenn man sich im Vorleben als Werbetexter das Fell hat gerben lassen. Die 237 Fünf- und Viersternerezensionen hängen selbstverständlich gerahmt an der Wand. 

Irrtum 4: Küssende Muse
Es sirrt keine zartgliedrige, wunderschöne Muse um einen herum und liest einem alle Wünsche von den Lippen ab. Zartgliedrig und wunderschön ist sie schon, aber sie sagt eher so Sachen wie „Der Müll muss noch hoch an die Straße!“ oder „Warum ist die Dichtung im Wasserhahn noch nicht ausgetauscht?“

Worauf der Dichter sich nicht zum Niederschrieb einer Gänsehaut erzeugenden Novelle bemüßigt fühlt, sondern einen halben Tag lang darüber nachdenkt, warum er zu blöde ist, eine Mischbatterie aufzuschrauben.

Irrtum 5: Edle Rassehunde
Grausilbernglänzend hingegossen liegen zwei erlesene Weimaraner neben dem Autoren, der das Haupt kühn in den Himmel reckt. Oder so ähnlich.






© Michael Frey Dodillet | Die Krawallmaustagebücher 2012


Kommentare:

  1. Sabina Krokowski16. Mai 2012 um 14:28

    Ach mein Gott, das es sooo schlimm um Euch steht hätte ich ja nicht gedacht ;-/ ! Sofort werde ich jedem der es nicht haben will Dein neues Buch schenken, um somit meinen Beitrag der Weltverbesserung (im Hause Frey/ Dodillet) zu leisten!! Das erklärt auch die wirklich kleine Hundedecke für zwei Hunde.....! Aber so konnte ich meinem Anton gleich mal vor Augen halten wie gut er es hat sein riiiesiges Körbchen nicht teilen zu müssen!
    Ich schließe Euch zukünftig in meine Gebete ein und hoffe das bald für einen Sportwagen reicht!! ;-))) Lg aus Versmold

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  2. Danke für euren neuen Blog-Eintrag! Sehnsüchtig erwartet und doch übertroffen :D Und ich werde Frau Paula aus Weißdergeier jetzt einen Brief schreiben um sie über ihre Unvermögen der Erkenntnis der Selbstironie aufzuklären und weil ich gern für meinen Urlaub eurer 3. Buch lesen möchte :D

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    1. Phoebe´s Frauchen16. Mai 2012 um 14:52

      Kalie entspricht Phoebe´s Frauchen (aus einem anderen Kommentar) :D

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    2. Wir sind doch noch gar nicht fertig! Welcher Urlaub? Skiurlaub 2012/2013? Immer dieser Druck. Ich kann so nicht arbeiten! ;o)

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  3. Eine Runde großes Mitleid: ooooooooooohhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh
    So, nachdem das nun geklärt ist, möchte ich nur hinzufügen:
    elba uld. Oder nach Herunterschlucken meines Apfel-Zimt-Kuchens zum Nachmittagstee: Selber schuld. Hätten Se ma echt was Anständiches glernt, so wie Mechatroniker (wobei ich heute noch nicht weiss, was der Unterschied zum Autoschrauber ist, aber egal) oder auch Dompteur wäre ein feiner Beruf gewesen, wobei Sie in Ihrem Hundealltag ja nicht allzuweit davon entfernt sind. Aber nein, schreiben muss er. Und seinen Sempft auch noch veröffentlichen. Und damit auch noch so erfolgreich sein, dass das Ganze als Buch erscheint und Sie sich damit soviel Anerkennung verdienen, dass Sie sogar schon KRITIKER haben ! Ich fasse es nicht !

    Jaaa, denn Kritiker auf sich aufmerksam zu machen, ist schon eine Kunst, die nur derjenige erhält, der wirklich etwas kann. Während Talentlose ja eher unbemerkt bleiben. Folglich können Sie sich auch den obig zitierten Schmodder einrahmen, auf das er Sie stets daran erinnern möge, dass man sich auch Neid hart erarbeiten muss :-)

    Es winkt
    der Berufsoptimist

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  4. Nix da, den Dukerich geb ich nimmer her. Außerdem würde er sicher bei Ihnen zuhaus tragisch traumatisiert werden, mit einer Berufszicke und einem hyperaktiven Flummi. Wie soll Hund denn da zur ruhe kommmen ?

    Und Sie mögen es nicht glauben, aber was Fremde betrifft, so ist Duke ganz Schäferhund und lässt weder hier jemanden rein, noch in meine Nähe. Und er ist auch groß genug, fiese Diebe, die ihn des Nächtens klauen wollen, einfach umzuschmeissen.
    Klong.

    Aber des Lünschn, des können Sie gerne ab uns zu hier abgeben. Damit die mal ne anständige Erziehung geniessen kann und Freilaufen ohne Leine :-)

    Wünsch Ihnen einen wundervollen Vatertag ! Ich besuche den Meinigen und schlage mir den Bauch voll.

    Eve

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  5. Ich habe bei uns 'ne Spendenbüchse aufgestellt......... Ist bereits die zweite, da unser Tierarzt auch so arm dran (besser als Arm ab)!!! Hoffe, es hilft....... Grüße Pebbles und der Chaotenrest ;-)

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  6. Als angehende Journalistin lese ich so was natürlich ungern, weiß aber auch, dass dieser Beruf mehr Berufung als Geldsegen ist. Ihr Buch fand ich jedenfalls super und Ihren Schreibstil habe ich ja bereits gelobt, als wir für das nette Interview für mein Blog Mailkontakt hatten. Wer negative Kritiken loslässt, weiß es halt nicht besser und hackt von Natur aus gern auf Leuten rum, die schreiben. So sieht's aus. Gekonnt ignorieren und weiter geht's!

    Beste Grüße
    http://just-bambilicious.blogspot.de/
    http://bambi-backt.blogspot.de/

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    1. Nicht verzweifeln. Es geht auch anders. Das erste Treatment zu „Basic Instinct" war genau zwei DIN-A4-Seiten lang und hat Joe Eszterhas drei Milionen Dollar eingebracht. Ich bin nicht mal sicher, ob er danach noch viel am Drehbuch mitgeschrieben hat. Das machen ja bekanntlich immer Lakaien.

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  7. Ich hoffe, dass ich mit meiner Bestellung beider Bücher mal ordentlich Geld in die Haushaltskasse bringen kann.
    Die Herrchenjahre habe ich als Leihgabe gelesen und entgegen der Prophezeiung doch tatsächlich wieder zurück gegeben (wieso eigentlich?). Aber... ICH WILL HABEN!

    Ach ja... und falls es dem Fünfer-Stammtisch noch nicht bekannt ist (wvon ich nicht ausgehe); in der T-Bar gibt es keine Tapas mehr (heul!!!)

    Angi, die auch eine Luna hat (sowas aber auch)

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    1. Unglaublich, nicht wahr. Die hatten die Wahl zwischen Rauchen und Essen und haben sich für Rauchen entschieden. Sie schmeißen die Tapas raus, damit der „Raucherclub" bleiben kann. Hinzu kommt, dass der Wirt höchstselbst ab 21.30 derart einen im Tee hat, dass er anfängt, grässlich laute Musik aufzulegen, damit auch noch das letzte Gespräch erstirbt. Seither irrt die Toskanarunde orientierungslos durch die Gastroszene zwischen Düsseldorf und Köln.

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    2. Das tut mir leid... seid Ihr dabei denn schon mal im Clube Portugese auf der Erkrather Strasse in Düsseldorf eingeschlagen? Da gibt es auch Tapas und auch lecker.

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