Dienstag, 20. Dezember 2011

Last-Minute-Geschenktipp.




Der geballte Wahnsinn ereilt mich im Sommer 1970 – im zarten Alter von acht Jahren. Aus irgendeinem Grund, Mistwetter vermutlich, landen meine Freunde und ich nicht im Freibad, sondern bei Oma vor der Glotze, einem mächtigen Kasten, der beim Einschalten ZUNK macht und erst nach bedächtigem Summen den Blick auf ein diesiges Schwarz-Weiß-Bild freigibt. Fernbedienungen sind noch nicht geboren, Salzletten schon.

In jenem Sommer also macht es ZUNK, und wir starren mit offenen Mündern auf einen dünnen und einen dicken Herrn, die 25 Minuten lang versuchen, ein Klavier die Treppe hinaufzutragen. Von da an ist es um uns geschehen. Oliver Norwell Hardy und Arthur Stanley Jefferson begleiten uns durch den Rest der Kindheit. Jeden Freitag um halb sieben im Zweiten, direkt nach Väter der Klamotte


Als Theo Lingen im September 1975 beginnt, die Langfilme der beiden in einer liebevoll aufgemachten Serie zu präsentieren, stelle ich fest, dass nicht die fliegenden Torten oder die wirren Schlägereien das eigentlich Komische bei Laurel und Hardy sind, sondern die umwerfenden Dialoge. Mein Lieblingsdialog stammt aus dem Film A Chump at Oxford. Er ist 71 Jahre alt und so frisch, als wäre er heute morgen in Hollywood geschrieben worden. 



Hardy: „Nun sitzen wir wieder auf der Straße. Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass wir mal in der Gosse landen. Was haben wir für Rosinen im Kopf gehabt. Wir sind doch auch nicht untüchtiger als andere Mitmenschen, aber wir kommen niemals auf einen grünen Zweig. Das muss doch einmal anders werden.“
Laurel: „Ich wundere mich gar nicht darüber, Olli. Sieh mal, wir haben keine Schulbildung. Wir haben nie etwas gelernt. Es musste ja eines Tages so kommen.“
„Stimmt. Sowas rächt sich.“
„Das konnte man sich an den Fingern abzählen. Wenn wir zur Schule gehen würden wie andere Menschen, würden wir vielleicht noch lesen lernen und, äh, rechnen. Und wenn wir uns große Mühe geben, vielleicht sogar schreiben. Möglich wär's noch.“
„Soviel würdest Du uns zutrauen?“
„Mir schon. Das bisschen lesen und schreiben könnte ich schaffen. Rechnen, äh, würde mir schwer fallen.“
„Hm? Ausgerechnet rechnen?“
„Ausgerechnet rechnen. Es ist doch so. Zwei und zwei macht irgendwas, und vier und vier macht irgendwas. Leider nicht dasselbe, dann wär's leicht.“
„Das ist aber auch schon höhere Mathematik.“
„Siehst Du, das Wort ist viel geeigneter für die Sache.“
„Ich kann auch nicht lesen und schreiben, aber ich bin gebildet.“
„Tut das weh?“
„Dir schon.“


Einer, der mit Sicherheit die Schule besucht hat, ist jener blitzgescheite Programmverantwortliche bei Kinowelt Home Entertainment, der die drei DVD-Boxen mit ihren Filmen auf den deutschen Markt gebracht hat. 








2.272 Minuten Laurel & Hardy, sorgfältig restauriert, NICHT nachkoloriert, feines Bonusmaterial und die original Synchronstimmen aus den 70ern. Bis auf Salzletten ist also alles drin, um schlagartig wieder acht zu werden.







© Michael Frey Dodillet | Die Krawallmaustagebücher 2011

Kommentare:

  1. Hi - das ist ein so wundervoller Tippppppppp!!!!
    Die Gedanken fliegen sofort in diese Zeit zurück...meint mein Frauchen .....diesen Post kann sie gar nicht - ohne Hintergedanken und ganz viel "Humor" zwischen den Zeilen - zu entdecken - lesen ;-) .....
    Wuff und LG Aiko

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  2. Was mir jetzt so auffällt ist, dass man damals mit rechnen, schreiben und lesen noch eine Chance, eine Perspektive hatte. Ist leider auch verloren gegangen. Dafür hat man heute die Fernbedienung. Frage wäre jetzt, was man nötiger bräuchte.

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  3. Hardy: „Warum hast du einen Veterinär bestellt?"
    Laurel: „Ich dachte, die Religion wäre nicht so wichtig."

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  4. Hardy: „Hast du es etwa nötig, deine Frau um Erlaubnis zu fragen?"
    Laurel: „Ja selbstverständlich, sonst weiß ich überhaupt nicht, was ich darf und was nicht."

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  5. Hihi, stimmt, wenn ich alte Filme aus der Kindheit sehe, fühle ich mich schlagartig wieder wir acht. Aber eigentlich fühle ich mich meistens so. Nur dass die doofen Erwachsenen einen oft arg beschäftigt halten, so dass man auch so tun muss, als sei man selbst erwachsen.

    Neulich war ich wieder in meiner alten Schule und ZUNK fühlte ich mich wieder wie damals. So einen Zunk Fernseher hatten wir auch, nur kam erst der Ton und das Bild ne halbe Stunde später. Und dann darf man ja auch nicht Western von Gestern vergessen und Bonanza und Unsere kleine Farm. Pip sowieso, aber da warst Du wohl schon mit Mofafahren beschäftigt ;-)

    Jedenfalls habe ich Dick und Doof geliebt, aber ich hätte sicher nicht mehr einen Dialog zitieren können, den ich im Übrigen als sehr gelungen und wahr empfinde. Oder outest Du Dich etwa hiermit, dass Du in den Genuss einer solchen Box gekommen bist ? Dann musst Du wohl ganz arg artig gewesen sein :-)

    Ein frohes und erholsames Weihnachtsfest für Dich und Deine Lieben, auch für die vierbeinigen Terroristen mit Lachen, Gesundheit und Bergen voller Plätzchen vor dem Zunk TV wünschen

    Eve und Duki aus dem verschneiten Klein Gallien

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  6. Wo bist Du geboren?
    Im Süden.
    Im Süden Londons.


    ich hätt lieber Lunas Ratgeber unterm Baum.

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  7. mein Hund benimmt sich immer noch wie ein welpe

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