Freitag, 28. März 2014

Warum nicht mal Männer ins Nest legen.






In drei Wochen ist Ostern. Als hätte der Verlag das im Herbst 2013 schon geahnt, hat er Die Toskanamänner in dezentem Osternesthellgrün gestalten lassen. Damit harmonieren sie farblich hervorragend mit den Blätterkrokanteiern eines namhaften Hasenherstellers. 

Thematisch passen sie ebenfalls gut ins Nest. Das Buch überzeugt mit einer Buchstabenvielfalt, aus der sich mühelos alle kirchlichen Feiertage zusammensetzen lassen. Zudem enthält es 42 eierhaltige Textpassagen, poetisches Wortgut wie schleierhaft, bleiern und leiern eingerechnet. 


Eine kleine Auswahl folgt nach dem Blätterkrokanteiwerbeblock.









Die Fünfeinhalbminuteneier auf Seite 84
Markus hatte königlich aufgetischt. Es gab Rührei mit Speck- streifen, Fünfeinhalbminuteneier, mittelalten Pecorino aus Pienza, hauchdünnen Parmaschinken, drei Sorten Marmelade, darunter eine selbstgemachte aus Erdbeeren, Minze, Prosecco, außerdem extra Nutella für Rudi, extra Pflaumenmus für Thomas, Honig, Kaffee, heiße Milch, roten Traubensaft und – ungesalzenes Brot.
»Du nimmst
Maggi zum Ei?!« Ben war fassungslos.
»Klar«, sagte Markus. »Wer in Singen aufgewachsen ist, salzt sein wachsweiches Ei nicht, sondern kippt Maggi darüber. Wenn bei uns Tiefdruck war, stank die ganze Stadt nach Brühwürfel. Das ist aber schon lange her. Mittlerweile hat die Fabrik Geruchsfilter.«
Er schüttete drei Spritzer Maggi in den goldgelben Dotter und rührte vorsichtig um. »Außerdem hat Thomas mal für Maggi gearbeitet«, sagte er und schleckte genießerisch den Eierlöffel ab. »Man muss seine Freunde unterstützen, damit sie in Lohn und Brot bleiben.«
»Das ist ewig her«, erwiderte Thomas. »Bis eben hatte ich es auch erfolgreich verdrängt. Maggi ist genauso ein Horror wie Ferrero oder Henkel. Spätestens nach einem halben Jahr sind alle, die auf solchen Etats herumschrubben, reif für die Insel.«






Die Macken von Otto auf Seite 18
»Otto vermöbelt andere Hunde, auch größere, und zwar so lange, bis er selber genäht werden muss. Außerdem greift er Männer in schwarzen Hosen an und beißt ihnen in den Sack
»Der hat echt eine Schraube locker.«
»Locker? Bei Otto ist die Schraube komplett raus. Mitsamt dem Gegengewinde und der Mutter.«





Der mörderische Kater auf Seite 383
Die grellen Strahlen der Morgensonne drangen ungefiltert in seinen Schädel und richteten dort verheerende Schäden an. So fühlte es sich zumindest an. Wenigstens wusste er noch, wie er hieß und wo er war. Er hieß Ben und lag auf einer Liege in Claudias Garten oberhalb von Castellina in Chianti. Das war eine Ortschaft irgendwo in Italien. Die Uhr konnte er auch noch lesen. Es war zehn Uhr und ein paar verschwommene Minuten. Er hatte drei Stunden geschlafen. Von der Terrasse drang lautes Gelächter an sein Ohr. Zentimeter für Zentimeter hob Ben den Kopf. Wider Erwarten wurde das Pochen hinter seiner Stirn nicht heftiger. Das war gut. Es roch nach Pecorino, Eiern und Bratspeck. Das war nicht gut.






Der Fondue-Ausraster auf Seite 272
Dem Rudi gönne ich eine Frau, die genauso merkwürdig ist wie er. Vielleicht bleibt mal eine lange genug, um zu erkennen, was für ein herzensguter Typ er ist, trotz seiner legendären Ausraster.
Wie er damals beim Fondue-Essen sagte, Geburtenkontrolle sei ein Plan, über den man mal nachdenken sollte. Man schießt einfach allen Männern, die andere Leute über den Tisch ziehen, die Eier weg, hat er gesagt. Uns hat es fast umgehauen. Ohne Betäubung, hat er gesagt, ein bisschen wehtun muss es schon. Vertreter, die faule Versicherungen verkaufen, obwohl ihnen von vornherein klar ist, dass ihre Gesellschaften sich lieber verklagen lassen, anstatt zu bezahlen. Banker, die sich für ein Viertelprozent Geld leihen und es für vierzehn Prozent weiterverleihen. Chefs, die ihre Leute für dreifuffzig die Stunde arbeiten lassen. Reiche Drecksäcke, die auf Kosten armer Schlucker leben. Denen würde er allen die Eier wegschießen, damit sie sich nicht weiter fortpflanzen. Wir sind eine soziale Gemeinschaft, hat Rudi gesagt. Wer die Gemeinschaft nur nutzt, um sich selbst zu bereichern, kann das gerne tun. Aber dieses Talent muss er nicht auch noch weitervererben.





Die besoffenen Helden auf Seite 233
»Wir sinin den Siebzigern großgeworden, Mann. Wir hatten nie Helme auf. Papas NSU Prinz hatte nichmal Gurte, und, und nichmal die Chlorbleiche hatte einen kindersicheren Verschluss.«
»Wir hams überlebt.«
»Dafür sahen unsere Schlaghosen böschoiert aus.«
»Guck dir die Typen heute an. Komm die etwa besser daher? Die ham Schavatten an. SCHAVATTEN! Und alle haben sich den
Sack rasiert.«
»Schawas?«
»Dasisn Schal, der wie eine Krawatte gebunden is. Kennsu doch. Magsu doch aunich. Aufm T-Shirt! Männer tragen Schals auf T-Shirts. Im Sommer, meine Fresse.«
Am Himmel über ihnen kreiste ein Krähenschwarm. Die Vögel waren auf der Suche nach Reben, die nicht mit flirrenden oder klappernden Folienstreifen geschützt waren und geräubert werden konnten.
»Durfes du früher beim Kicken wählen oder bissu am Schluss übrig geblieben, weil dich keine Mannschaft ham wollte?«






Wer mit Ostern wenig am Hut hat und lieber auf italienische Überraschungspakete steht, sollte beim Heyne Verlag vorbei schauen. Endlich mal ein anspruchsvolles Preisrätsel! Lichtjahre entfernt von dem gewöhnlichen „Ohne Flei kein Prei - ergänzen Sie sinngemäß"-Quatsch. Unlösbar! Kriegt ihr nie raus! Vergesst es! Klickt gar nicht erst drauf!

© Michael Frey Dodillet | Die Krawallmaustagebücher 2014



Kommentare:

  1. Hab sie mir schon selbst ins Nest gelegt, aber mich noch nicht getraut, anfangen zu lesen, weil ich weiß, daß ich dann nicht aufhören kann. Warte im Moment auf ein paar ruhige Tage, weil im Moment im Garten so viel Arbeit ist. Aber dann leg ich los!! LG Hilla und Luna ♥

    AntwortenLöschen
  2. Komm jetzt! Immerhin wird ein Kaninchen umgebracht. Und Otto lässt noch ein paar Ameisen über die Klinge springen.

    AntwortenLöschen

Krawallkommentare sind verboten. Es sei denn,
sie kommen von euren Hunden. :o)