Dienstag, 23. Oktober 2012

Buschkowsky und die fremdenfeindlichen Kläffer.





In meinem vierten Buch werden aller Voraussicht nach ein paar Volltrottel auftreten, die Großpudel für die Migrantenhatz züchten. Ich tue mich etwas schwer mit den Dialogen, weil ich nicht weiß, wie solche Herrschaften ticken. Es sind ja nicht die hellsten Kerzen auf der Torte. Da habe ich mir gedacht, ich stelle mal eine Rezension zum Buschkowsky-Buch ein und warte auf O-Ton. Das Ergebnis war überwältigend. Das Material ist großartig.

So stand‘s bei Amazon: „Das Buch ist unterhaltsam geschrieben, liest sich bisweilen recht flüssig und bedient den interessierten Leser mit ausgesuchten Studienergebnissen. Die Haltung, die hinter diesem Buch steckt, ist jedoch streng abzulehnen. Es ist nichts weiter als in Kruppstahl gegossener Stillstand. So heftig die Ewiggestrigen auch zurück strampeln, die Welt dreht sich zum Glück weiter.

Schon bemerkt? Wir leben im 21. Jahrhundert. Es ist das Jahrhundert Europas. Die Grenzen sind bereits gefallen. Wir bezahlen mit einer Währung. Die Völker werden in den nächsten Jahrzehnten mehr und mehr zusammenwachsen. Natürlich verursacht das Probleme. Wir wissen alle, dass deren Lösung nicht einfach ist. Aber wann war es jemals einfach, wenn Menschen etwas gemeinsam auf die Beine gestellt haben? Die Problemfelder lauten im Übrigen nicht Inländer vs. Ausländer, sondern nationalitätenübergreifend arm vs. reich, sozial vs. asozial, gebildet vs. ungebildet, moralisch vs. unmoralisch, gesetzestreu vs. kriminell.

Was wir brauchen sind Menschen, die einen festen Glauben an die Zukunft haben sowie Ideen, Pläne und die Energie, diese umzusetzen – jeder im Rahmen seiner großen oder kleinen Möglichkeiten. Was wir nicht brauchen, sind lamentierende, alte Männer wie Sarrazin und Buschkowsky, die die Flinte ins Korn geworfen haben und nun glauben, sie müssten dies der ganzen Nation in Form eines Buches mitteilen.

Wer keinen Arsch in der Hose hat, um Europa und die Welt mitzugestalten, der möge bitte einfach still sein und den Job denen überlassen, die ihn beherrschen.“



Soweit die Besprechung zu Heinz Buschkowskys Neukölln ist überall, die - wenig überraschend - von 186 Lesern als nicht hilfreich empfunden wurde. Nicht hilfreich ist der von Amazon zur Verfügung gestellte Euphemismus für „Mach dich bloß vom Acker, du rotgrüne Sackratte!“

Die einsetzende Diskussion in 155 Kommentaren und zwei Foren war erschütternd sinnfrei, vermutlich weil sie hauptsächlich spätabends unter Zuhilfenahme größerer Mengen geistiger Getränke stattfand. Der Eine schwärmte von „medialen" Hitlerzeit-Déjà-vus am Rhein, der Andere empfahl erst Kriegsgefangenen-Lektüre und dann wieder doch nicht. Ein bisschen ging es um Gold in den USA, ein bisschen um den angeblichen Ghostwriter von Buschkowsky und um Sozis, die Braune einfangen und „auf rot-grün aussehen lassen“ - was immer Letzteres auch bedeuten mag. Es war jedenfalls reichlich mühselig, vier Wochen lang morgens dieses wirre Aneinander-Vorbei-Reden aufarbeiten zu müssen.

Zudem war ich der Einzige, der unter seinem echten Namen postete. Meine Frage, ob das wackere Fähnlein Fieselschweif denn zu wenig Eier habe, um seine Meinung mit Klarnamen zu unterschreiben, verhallte ungehört. Ähnlich sparsam fielen die Antworten auf die Frage aus, wann wo und wie man denn zum letzten Mal persönlich von einem Ausländer beleidigt oder geschädigt worden sei. 

Stattdessen schwadronierte ein gewisser Hundkatzevogel, die NSU-Täterschaft sei ein Märchen und die zwölf Jahre unter Hitler seien weniger schlimm gewesen als es die Zeit unter Rotgrün werden wird. P. Schmitz war der Auffassung, die paar Glatzen und die Handvoll NPD-Mitglieder seien so harmlos wie Graf Zahl aus der Sesamstraße. 1stline warnte bebend vor den extrem gewaltbereiten Muslimen, die die Herrschaft in Deutschland übernehmen und die Scharia einführen werden. Eine Lichtgestalt namens Buchvertrieb unterrichtete die Anwesenden, dass die Amerikaner nach dem Krieg alle Deutschen kastrieren und das Land mit „Herren anderer Länder fluten“ wollten. Edgar Schwochow sah es pragmatisch und riet einem Gesprächspartner: „Fahr zur Hölle, du 68er Abschaum!“

Manolito („Das Sarrazin-Buch habe ich dreimal von vorne bis hinten gelesen“) lobte den Asiaten. Der sei ein willkommener Migrant, weil ihm der Buddhismus vorschreibt, dass er fleißig sein muss. Er wurde auch nicht müde zu betonen, dass er selbst absoluter Migrationsexperte sei, weil er seit 45 Jahren seinen Hauptwohnsitz im Ausland habe. Leider hat sich dieser Aufenthalt nicht auf Manolitos Toleranzverhalten ausgewirkt. Das ist nach wie vor auf dem Stand eines 3-jährigen Kindes. Was wieder einmal beweist: Auch der Blick über den Tellerrand nützt nichts, wenn es ein Tunnelblick ist, gegen den die 17 Kilometer lange Gotthardröhre als Horizonterweiterung durchgeht. 

Nachgerade wunderbar wurde es, wenn zur Abstützung des Dampfgeplauders statistisches Zahlenmaterial herangezogen wurde. So trompetete Dogbert unter Schuldigbleiben jeglicher Quelle, 96% aller Gewalttaten in Deutschland gingen auf das Konto von Ostanatoliern und Rumänen. Hundkatzevogel arbeitete die Polizeiliche Kriminalstatistik des Innenministeriums durch und fand heraus, dass „allein 2010 von Nichtdeutschen hierzulande über 770 Morde begangen wurden.“ Hinzu kämen dann noch die Morde von eingebürgerten Passdeutschen und die Morde biodeutscher Täter. Auch der Hinweis, dass es 2010 in Deutschland insgesamt nur 690 Morde gegeben habe, warf den Zahlenkünstler nicht nennenswert aus der Bahn.

Eines Abends ließ ich mich von der schnapsseligen Stammtisch-Stimmung hinreißen und tippte übermütig: „Verschwörung, wohin das feuchte Auge blickt! Der Muslim nimmt uns die Jobs weg, der Araber das Öl, der Neger die Frauen, der Pole die Autos, der Jude das Ersparte, der Grieche den Euro, der Türke die Stütze und der Holländer die 130, weil er mit seinem Wohnwagen vor uns her schleicht.“

30-minütige Schockstarre der Versammelten! Ich dachte schon, ich sei über das Ziel hinausgeschossen. Doch dann postete Gerda Sauer stilsicher im Namen aller Geknechteten: „Das stimmt doch alles, was Sie da aufführen. Eigentlich ist und wird alles viel schlimmer, weil ihr Rot/Grünen Antideutschen Spinner schon dafür sorgt! Pfui Deipel.“ Heiliges Kanonenrohr! Mit Flintenweibern wie Gerda muss es dem braunen Gelichter um Doitschland nicht bange werden.



Neukölln ist überall und Deutschland schafft sich ab sind verbale Bankrotterklärungen, die in 100.000er-Auflagen unters Volk geworfen werfen. Den Autoren Buschkowsky und Sarrazin werfe ich keinen Rassismus vor. Allerdings wissen sie und die vorabdruckende Bildzeitung ganz genau, welches Klientel sie bedienen. Aus Geld- und Geltungssucht nehmen die beiden Alten billigend in Kauf, dass ihre Bücher von jeder Menge weit rechts denkender, trüber Tassen instrumentalisiert werden. 

Seine Pension mittels Brandstiftung aufzubessern, ist jämmerlich.



Kunde: Public Movement & Kunstfestival steirischer herbst
Agentur: Demner, Merlicek & Bergmann, Wien, 10/2012




© Michael Frey Dodillet | Die Krawallmaustagebücher 2012

Kommentare:

  1. Eigentlich kann ich jetzt garnicht mitreden, weil ich dieses Buch nicht gelesen habe und auch nicht vorhabe, es zu lesen....aaaaber die o.g. Rezension und die Kommentare habe ich gerade auf Amazon gelesen.Meine Fresse!!
    Aber ich habe es so vermutet. Überall und selbst bei Menschen, die man (bis dahin) meinte gut zu kennen, gibt es diese "salonfähigen" ausländerfeindlichen Ansichten und das Gefährliche: die selber merken es noch nichtmal. Fühlen sich missverstanden, wenn man ihnen Ausländerfeindlichkeit unterstellt. "unterstellt" ist nicht der richtige Ausdruck, denn sie sind es ja, aber mir fällt leider im Augenblick kein passender Begriff ein.
    Übrigens: geniales Plakat

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, das Plakat ist wirklich gut. Während des steirischen Herbstes haben sie mit dieser Typo alles Mögliche beschriftet. Unter anderem eine Frittenbude. Da stand „Würstelstand" drüber.

      Löschen
  2. Herzliche Gratulation zu dem tollen Text. Es macht mir immer wieder Mut,wenn ich solche Beiträge lese. Ich lebe in der Schweiz, aber auch da komme ich mir manchmal sehr einsam vor mit meiner Einstellung, wenn ich Leserbriefe, Kommentare o.ä. von meinen währschaften "Mit-Eidgenossen" lese. Da tut es gut, wenn jemand die passenden Worte für das Übel findet, darum: DANKE!
    Das Plakat ist herrlich.
    Erst spenden Sie mir in den letzten fast 4 Jahren Trost, dass ich mit meinem süssen Lünchen und unserem Krawallkummer nicht alleine bin, dann schenken Sie auch noch meiner wunden "Gutmenschen" Seele Linderung. ;-)
    Meine Luna, manchmal auch als La Lünette (sie kommt aus einem Tierheim der französischen Schweiz) bekannt, ist ein Beauceron-Terrier-Maulwurf Mix und wegen ihrer Vorliebe für Grabungen aller Art habe ich mir schon überlegt sie an ein Tiefbauunternehmen zu vermitteln. Dank ihrem explosiven Temperament wäre sie, durch den Einsatz gewisser Reize, auch für Sprengungen geeignet. Aber dann schaut sie mich wieder an und Schmelz!!! Sie ist doch meine kleine Prinzessin.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. La Lünette ist ein ganz reizender Name für ein Sprengkommando. Klingt wie ein Kleinkunst-Ensemble. Wo treten Sie auf? Wir kommen.
      :o)

      Löschen
    2. Text gelesen, viele Ansichten anderer Leute wiedergefunden, ein Aspekt fehlt da meiner Ansicht nach noch.
      Genannt wird, Europa wächst zusammen und das ist durch gleiches Geld leichter (ob das wirklich so ist, mal sehen) aber wir sehen, wie schwer selbst das nunmehr einige Deutschland zusammenwächst. Ich leugne keine Fortschritte, aber es gibt eben immer noch deutliche Unterschiede zwischen Westler und Ostler. Und nicht nur zwischen den W-Kriminellen und den O-Kriminellen usw. Schauen wir mal die Entwicklung an, mit Geduld und Toleranbz bitteschön.
      Tolles Plakat, ich musste es mir klauen zum immer wieder drauf gucken, was so alles möglich ist.

      Freunde von mir schaffen sich gerade einen Hund an, sie haben auch schon die Meldung, dass die zukünftige Mutter Welpen im Bauch hat und wissen jetzt schon, dass das künftige Familienmitglied "Luna" heißen soll.
      Dabei haben sie mir erst unlängst Ihr Buch ausgeliehen und müßten wissen, dass "Nomen est Omen" nicht von der Hand zu weisen ist..nunja abwarten. Mein Hund heißt Loulou und den Namen hatte sie schon.

      Bin auf weitere Neuigkeiten von Ihrer Luna gespannt.

      Löschen
    3. <...und wissen jetzt schon, dass das künftige Familienmitglied "Luna" heißen soll...>

      O mein Gott, wie kann man nur mit offenen Augen ins Verderben rennen.
      ;o)

      Löschen
    4. Nunmehr sind 5 potenzielle "Luna"-Anwärterinnen geboren, da wird sich doch die einzig richtige, passende, seelenverwandte Krawallmaus darunter befinden, es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn nicht, oder wäre das die Arbeit eines Engels? Warten wir's ab!

      Löschen
  3. Du sprichst mir aus der Seele, mein Lieber!
    Und alle, die die Jahre unter Hitler "nicht so schlimm" fanden, können sich gerne mal mit meiner 84-jährigen Mutter unterhalten. Die übrigens blond und blauäugig war und keinerlei Grund zur "Beanstandung" provozierte, sonder nur den ganz "normalen" und alltäglichen Wahnsinn der Hitlerzeit zu ertragen hatte.
    Ich freue mich auf die Generation unserer Kinder, die, Gott sei Dank, immer weniger Unterschiede machen.

    AntwortenLöschen
  4. Momentan muss ich schwer an mich halten, dass ich auf Buschis Amazon-Seite nicht unter Klarnamen die halbe Bevölkerung unflätig beschimpfe. Diese 5-Sterne-Rezensionen der „Endlich sagt mal einer, wie es ist"-Fraktion sind unerträglich.

    Motto: Ich bin zu blöd, um ein Loch in den Schnee zu pissen, deshalb lasse ich vorsichtshalber woanders denken.

    AntwortenLöschen
  5. Wollte gerade Gassi gehen und habe den Schutzumschlag von "Herrchenjahre" als Lesezeichen benutzt. Bin über deinen Steckbrief gestolpert. Also: "Happy Birthday" Luna. Weiter so.
    Bei mir scheint gerade die Sonne. Geh erst mal Gassi. Nehme Frauchen und Herrchen mit.
    Gruß Gila
    (Yorkshire)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hast du sie auch wieder mit zurückgebracht oder irren sie jetzt orientierungslos im Wald umher? Danke für die Glückwünsche.

      Löschen
    2. Keine Angst. Ich hatte sie an der Leine.
      Gila

      Löschen
  6. Vollste Zustimmung zu Ihrer Meinung über die "beiden Alten", "Bild" und den leider unterschwellig oder offen vorhandenen Rassismus, Chauvinismus und Antisemitismus. Habe gestern eine Doku über 30 Jahre Neonazis in Ost und West gesehen - erschütternd. Und das Schlimmste ist, dass Verwaltung und Justiz rechts oft eine Augenklappe tragen, oder wie sonst sind die ungestörten Aktivitäten des NSU, in Kassel im Beisein eines Verfassungsschutzmannes (!) zu erklären.
    Der einzige wirkliche Lichtblick in dem Bericht war ein Rotti, der einem Skin die Flötentöne beibrachte.

    LG Rolli-Rotti, Twinmama und Geier

    AntwortenLöschen
  7. Also ich habe mir das gerade alles komplett angetan und angetan ist wirklich das richtige Wort. Sowas habe ich selten erlebt. Dieses Kintergartenniveau! Allein die Beleidigungen durch Namensveränderungen und über andere schreiben, dass sie sich bessere Umgangsformen aneignen sollen ...
    Das sind genau die Leute, die mit dem Hundeversteher ihre Freude haben würden - da können sie sich gegenseitig Seitenweise Kämpfe liefern - der Schwall an Dummheit würde nie enden.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, sie hätten zehn Runden mit dem HV wahrlich verdient. :o))

      Die Herrschaften schreiben in so gut wie allen Amazonforen, in denen unterschwellig rechtsradikales Gedankengut gefragt ist. Sie werden immer ganz aufgeregt, wenn man ihre Ikonen (Sarrazin, Buschkowsky u.a.) anzweifelt.

      Löschen

Krawallkommentare sind verboten. Es sei denn,
sie kommen von euren Hunden. :o)