Freitag, 27. März 2009

Jagdfieber (1).




Da gehst du monatelang mit der Schleppleine spazieren, damit dein Hund nur ja keinen Jagderfolg hat. Und dann prügelt er sich im Gartenschuppen mit einem Fuchs.


Seither trägt Madame einen Schmiss auf der Fellnase und unsereiner ist wieder um ein Anekdötchen reicher.




Wir veranstalten eines unserer beliebten Stöberspiele. Luna macht die Augen zu und zählt bis 10, ich verstecke ihren Beißsack mit aller zur Verfügung stehenden Raffinesse, dieses Mal ausnahmsweise hinter dem Schuppen, und auf Kommando „Such!“ geht es immer der Nase nach. Ich bewundere das sehr. Sie findet alles, selbst wenn es im Baum hängt. Heute allerdings hechtet sie am Ziel vorbei und rempelt ohne Zögern durch die Schuppentür. Schon geht der Krawall los.

Mist, denke ich, Nachbars Katze. Es scheppert, faucht und jault im Schüppchen. Die Tür knallt wieder auf und zwei Fellknäuel kugeln zwischen die Kompostkästen. Das braun-schwarze kenne ich, das orange nicht. Es sieht im ersten Moment wirklich wie die Katze aus. Dann entdecke ich den buschigen Schwanz an dem einen Ende. Das andere Ende hat gebleckte Zähne und fährt damit meinem Hund direkt ins Gesicht. Luna hält kurz inne, weil es weh tut. Diese eine Sekunde genügt. Der Fuchs jagt zurück in den Schuppen, rumpelt durch das Werkzeug, setzt zum Fenster hinaus, jagt durch die Remise, über den Hof, durch die Senke, in die Felder, weg. Es ist helllichter Tag, 15 Uhr 30.

Meine Krawallmaus vibriert derweil noch hoch erbost beim Kompost. Ganzkörperbürste, bis unters Dach gefüllt mit reinem Adrenalin.

Für einen halbwegs normal veranlagten Hund ist es ein Traum, in einem 1860er-Fachwerkhaus am Ortsrand zu wohnen. Fuchs und Hase sagen sich wohlriechend gute Nacht. Eichhornlosung und Igelspuren, wohin die Nase schnufft. Iltisse, die gepflegt in den Zwischendecken herumstinken. Raubtiere, die im Dachstuhl kreischen.
Ihr erinnert euch: 3 Uhr 09 morgens, direkt über meinem Kopf rutscht ein Rudel junger Marder johlend die Schrägen hinunter, der Hund schlägt an, das Gebäude erzittert...
Ich hatte versprochen, bei Gelegenheit ausführlicher zu berichten. Das werde ich morgen tun.

Heute habe ich ein Näschen zu verarzten.




© Michael Frey Dodillet | Die Krawallmaustagebücher 2009

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