Sonntag, 10. April 2016

Herrchentrubel. Graue Schnauze, großes Glück.



Die turbulenten Zeiten sind vorüber. Jetzt wird es beschaulich, freut sich Herrchen, im Alter werden die Hunde bekanntlich ruhiger. Leider hat den Rabauken das keiner gesagt. 

Luna kriegt auch mit ihren umgerechnet 85 Jahren noch rekordverdächtige Tobsuchtsanfälle beim Anblick ihrer Artgenossinnen. Der liebe Wiki entwickelt über geklauten Würstchen und Büstenhaltern eine Beuteaggression, die selbst hartgesottenen Hundetrai­nern die Tränen in die Augen treibt. Kurz: Der Wahnsinn geht weiter – und Herrchen am Stock. 





Montag, 28. März 2016

¡Hola! Hammelhoden mit Henna-Tattoos.




„In Barcelona werden 234 Sprachen gesprochen“, freut sich unser Taxifahrer, als er mit siebzig Sachen Richtung Sagrada Familia brettert. Er hat eine eigene Spur, auf der er alle weghupen darf. „Darum ist diese Stadt auch so lebendig.“ 

Zur selben Zeit grinst der Deutsche-Welle-Moderator Tim Sebastian einer versteinerten Frauke in ihr miesepetryges Gesicht und sagt: „Countries are melting pots in these days, aren't they?“ Und sie so: „Yes, but ... äh ...“

Sonntag, 21. Februar 2016

Das Asthmaspray von Wiedenbrück.






Nach sechzig Auftritten zu zweit sind wir ab sofort zu dritt. Wiki darf mit. Luna findet, sie hat den schwarzweißen Knallkopf für seine ersten drei Lesungen hervorragend geschult: In Erkrath pieselt er in die Buchhandlung; in Hückeswagen frisst er die Schokoherzen aus der Auslage; in Attendorn begleitet er Gästinnen aufs Klo.

Auch danach fügt sich dieser kleine Hund ganz prächtig ins Bühnenleben. Dreimal beißt er zu: einmal Teppich, zweimal Schuh. Siebenmal benimmt er sich wie eine offene Hose wegen Sesamgrissini und ähnlicher Leckereien. Ein Video von einem Butterkotzevorfall wird im Laufe des Jahres zum Lesungs-Hit. Wer Wiki eben noch auf dem Schoß hatte, wird umgehend blass angesichts des Beserkers im Bild und des Originaltons über Bluetooth-Lautsprecher. Der Giftpilz lümmelt derweil im Backstagebereich und schnaubt: „Was denn, ihr Pfeifen?!“

Sonntag, 14. Februar 2016

Hunde sind kein Kindersatz.



Spontaneität ist die kleine Schwester der Neugier. Die Kinder sind aus dem Haus. Da werden nicht nur Zimmer frei, sondern auch Energien und Zeitfenster. Also mal spontan was Tolles anleiern. Was man schon immer mal machen wollte. Die Zeche Zollverein aus Zahnstochern nachbauen, einen Nacktwanderkurs buchen oder in 67 % aller Fälle (Quelle: selbst zusammenfantasierte Zahl nach dem Besuch von Hundewiesen) einen Hund anschaffen.

Das. Ist. Keine. Gute. Idee.

Steigen Fünfzigjährige und ein Weimaraner aus dem Cayenne, weiß der Kenner sofort, was die Stunde geschlagen hat. Kindersatz, murmelt es in Orkanlautstärke in seinem Kopf. Der wird Wauzi genannt, mit Babystimme angesprochen, in siebenundzwanzig Hundekursen artgerecht ausgelastet, täglich frisch bekocht und nächtens warm gehalten. Wenn deine Hündin den verprügelt, hast du eine Klage am Hals, die dich Haus und Hof kosten wird. 

Montag, 25. Januar 2016

Impressum und Datenschutz.





Impressum und Datenschutzerklärung für 
die Internetseite „Die Krawallmaus Tagebücher",
die Internetseite „Herrchenjahre | Die Bücher“
und die Facebookseite „Krawallmaus“



Anwalt kommt gleich.





Sonntag, 10. Januar 2016

In Ahlen haben sie nicht gelacht.




Unsere Leseabende sind schnell umrissen: Frey liest vor, Wiki nervt, Luna liegt rum. Oder umgekehrt, da sind wir uns manchmal nicht einig. In kritischen Situationen wird Blutwurst gereicht. Auf Wunsch wird gerne und reichlich signiert.

Das Publikum darf leider keine Hunde mitbringen, sonst verliert Luna die Nerven, und ich beiße mir vor Schreck auf die Zunge, die daraufhin anschwillt wie ein Schnitzel und mich zum unverständlichen Nuscheln zwingt, was auch nicht tragisch wäre, weil man bei dem Schlachtenlärm in der Buchhandlung sowieso kein einziges Wort verstünde.

Freitag, 18. Dezember 2015

Last-Minute-Geschenktipp.




Wenn man Verbalakrobatik und Metzgerhandwerk schätzt, gehört es zu den Höhepunkten des Daseins, Malmsheimer den Niedergang des Wurstbrots beklagen zu hören: „Früher war nicht alles besser. Das ist Quadratunsinn. Aber es gab Sachen, die waren früher gut. Und sie wären es auch heute noch, wenn man die Finger davon gelassen hätte. Zum Beispiel das Wurstbrot!

Unten eine Scheibe Graubrot mit knuspriger Kruste. Richtiges Brot aus Korn, aus Mehl. Nicht diese weiße Feuerzeugwatte, die wir heute zum Frühstück fressen, nein! Darauf, daumendick und goldgelb, Gutebutter. Ein Wort! Gutebutter. Und dann drei, in Worten drei, der Krieg ist vorbei, drei Scheiben Zervelatwurst. Die müssen wie die Dachschindeln anliegen. Das war gut. Jahrtausende war das gut. Bis zu diesem furchtbaren Tag, an dem irgendso ein mental verrotteter Bäcker da Mayonnaise draufgepackt hat! Und ein Salatblatt und Tomate und gekochtes Ei! Du hast das Gefühl, du beisst in einen Komposthaufen!!“ 1


Montag, 14. Dezember 2015

High Noon am Mauseloch.



Der Alukätzchenfighter. Letzter Teil: High Moon am Mauseloch.


Eigentlich bin ich ja nur neugierig, ob Wiki sein Mauseloch gegen einen duftenden, luftgetrockneten Rindfleischwürfel aus biologisch-dynamischem Anbau tauschen möchte. Nein, will er nicht! Stattdessen fällt er in seine wohlbekannte Starre und bedroht mich. Klar, er hat ja keinen Maulkorb auf. Da kann man wieder gepflegt die Sau rauslassen.

In meiner Not knalle ich ihm die Leckerchenbüchse vor die Füße. Bei dem Geschepper schreckt er hoch. Er sieht aus, als tauche er aus einer anderen Welt auf und erkenne mich jetzt erst. Leise brummelt er vor sich hin. Dieses Brummeln kenne ich. Das macht er auch beim Abtrocknen. Das ist sein Spielbrummern.

Sonntag, 13. Dezember 2015

Workout am Schälchen.



Der Alukätzchenfighter. Teil 3: Workout am Schälchen.



Wir haben einen Arsch voller Hausaufgaben bekommen. Zehn Minuten pro Tag sollen wir um die Alukatze herumturnen und im Konflikt zueinander finden. Mindestens vier Mal pro Woche! Die Krauses waren zuversichtlich. Zum Abschied haben sie alle beruhigend mit den Augen gekniept, den Kopf gewiegt und gesagt: „Gut machst du das!“ – „Das wird schon!“ – „Ihr schafft DAS!“

Alukatzen-Workout. Tag 1.
Jetzt stehe ich hinter dem Haus neben unserer ersten eigenen Alukatze. Luna hat sich im sicheren Abstand unter einem schattigen Baum auf den Rasen gepflanzt. Ich schaue Wiki an. Er guckt zurück und wedelt mit dem Schwanz. Dieser Hund sieht aus, als hätte er nicht den leisesten Zweifel daran, dass er DAS schafft. „Ich glaube, wir fangen morgen an“, sage ich, nehme ihm das Maulkörbchen ab und lasse ihn kommentarlos die Alukatze leerschleckend.

Freitag, 11. Dezember 2015

Klare Ansage.


Der Alukätzchenfighter. Teil 2: Klare Ansage.


Nur wenige Wochen später sitzt Wiki knurrend im Hof von Sophie Strodtbecks Seminarkneipe in Oberrimbach und beantwortet ungeduldig die Fragen der umstehenden Krauses. Nein, diese Alukatze lasst ihr mal schön in Ruhe! Genau, das Teil gehört mir! Denkt nicht mal dran! Nein, näher als fünf Meter kommt ihr auf keinen Fall. Ja, der Maulkorb ist scheiße. Ach was, der hindert mich nicht am Hacken. Wie – wohin? In deinen Fuß natürlich. Nein, ich gehe immer noch nicht weg. Lös du dich doch selber in Luft auf, du Pfosten!

Die Krauses kommen aus ganz Deutschland und machen mich nervös. In der Mehrzahl handelt es sich bei ihnen um erfahrene Hundetrainer, die es in ihrem Beruf gar nicht so selten mit wirklichen Problemhunden zu tun haben. Also solchen, die ihren Besitzern ohne Wenn und Aber an die Wäsche wollen. Hunde, die so riesig sind wie anatolische Kangals und kompromisslos gucken wie Chuck Norris, Kanaillen, die nicht nur drohen und kurz abschnappen, sondern ihren Lieben tatsächlich im Arm hängen oder im Hüftspeck.