Dienstag, 20. Dezember 2011

Last-Minute-Geschenktipp.




Der geballte Wahnsinn ereilt mich im Sommer 1970 – im zarten Alter von acht Jahren. Aus irgendeinem Grund, Mistwetter vermutlich, landen meine Freunde und ich nicht im Freibad, sondern bei Oma vor der Glotze, einem mächtigen Kasten, der beim Einschalten ZUNK macht und erst nach bedächtigem Summen den Blick auf ein diesiges Schwarz-Weiß-Bild freigibt. Fernbedienungen sind noch nicht geboren, Salzletten schon.

In jenem Sommer also macht es ZUNK, und wir starren mit offenen Mündern auf einen dünnen und einen dicken Herrn, die 25 Minuten lang versuchen, ein Klavier die Treppe hinaufzutragen. Von da an ist es um uns geschehen. Oliver Norwell Hardy und Arthur Stanley Jefferson begleiten uns durch den Rest der Kindheit. Jeden Freitag um halb sieben im Zweiten, direkt nach Väter der Klamotte

Dienstag, 13. Dezember 2011

Zweimal Wodka-Feige und eine Stange Wachs.




Den ganzen November haben wir auf mieses Wetter gewartet und auf Hunderunden, die in Schlammschlachten enden. Aber nichts da! Die Sonne lässt sich nicht unterkriegen. Wir drei fahren Fahrrad wie die Irren. Wiki kriegt bei Kilometer 10 immer den Pipps. Dann hopst er um Luna herum und will an ihrem Hals knabbern. Bei 20 km/h!


Da Terrier drinsteckt, macht es ihm wahrscheinlich auch nichts aus, wenn er überfahren wird. Wird er aber nie. Wenn ihn beim Knabberversuch der eigene Hintern überholt und vor das Vorderrad gerät, eiere ich im großen Bogen um ihn herum und denke verstärkt über das Tragen eines Motorradhelms nach.

Mittwoch, 23. November 2011

Das Leben ist zu kurz, um brav zu sein.







Wie stelle ich meine Ohren auf optimalen Durchzug? Welche Wälztechniken in fiesen Häufchen sind besonders zu empfehlen? Sind Kommandos wie Sitz, Platz, Hier und Fuß gesundheitsschädlich? Wie handhabe ich übelriechende Tümpel? Was mache ich mit dieser Scheißschleppleine? Brennende Fragen, die den modernen Hund von heute bewegen. 

Wenn wir Hundehalter ein Problem mit unseren Vierbeinern haben, machen wir es uns einfach. Wir gehen zum Hundetrainer. „Hör mal, Krause“, sagen wir dann, „Bruno jagt Kaninchen. Was soll ich tun?“ Krause wird bedächtig seinen Kopf hin und her wiegen und eine mehr oder minder alberne Erziehungsmethode aus dem Ärmel schütteln. „Am besten, du schnallst deinem Bruno eine zehn Meter lange Schleppleine ans Halsband“, wird er sagen. „Dann begreift diese Torfnase endlich, dass er sich nur in einem engen Radius um dich herum bewegen darf.“

Daraufhin nerven wir Bruno tagtäglich mit der Schlepp, und Krause schreibt schon mal die Rechnung.

Donnerstag, 10. November 2011

Arschlecken rasieren dreifuffzich.




Die virtuellen Ferndiagnostiker in den Hundeforen sind mir die liebsten. Hund nie gesehen, Halter nie kennengelernt, aber auf jeden Fall schon mal unreflektiert die fetten Tipps raushauen. Mit meterhoher Wichtigmütze auf dem Kopf wird ein dünnes Brett nach dem anderen gebohrt.

Der widerwillig Fernberatene durchläuft derweil drei Stadien. Eins: Absolute Verblüffung angesichts der Tatsache, wieviel man in die harmlose Frage, ob andere Hunde auch am Fahrrad ziehen, hineininterpretieren kann. Zwei: Völlige Fassungslosigkeit, weil auf einmal von wildfremden Leuten charakterliche Defizite aufgearbeitet werden, von denen er bis dato gar nicht wusste, dass er sie überhaupt hat. Drei: Knallrote Wutbirne, weil hallo, spinnt ihr, so geht's ja wohl gar nicht! Das sind die Momente, wo der heitere Mitleser das Popcorn aufmacht. 

Dienstag, 25. Oktober 2011

Hunde kennen kein Lampenfieber.





Doch, ja, ich gebe es zu. Lesereisen machen einen Sauspaß. Jeder Abend ist anders. Ich habe keine Ahnung, wie mein Hund sich aufführen wird – und wie das Publikum! Erst recht nicht, wenn die sehr verehrte Hörerschaft bereits mit Äppelwoi, Prosecco oder Aperol vorgeglüht hat. Das macht jeden Auftritt so unberechenbar wie eine Frontalbegegnung auf der Hunderunde. 


Hennef. Die erste Lesung meines Lebens. Ich bestehen zu 110 % aus Adrenalin, Lampenfieber und Rescuetropfen und hample gestikulierend und kopfkratzend am Tisch herum. Da ich ohne Mikro lese, bleibt mir wenigstens die Schmach erspart, mir das Headset vom Kopf zu fegen. Ausgerechnet diese Lesung wird auf Video aufgenommen. Als die Aufzeichnung später im Netz steht, entdecke ich in einem Hundeforum folgende Analyse: „Man beachte die Körpersprache des Autors. Wenn er so auch mit seinem Hund kommuniziert, dann wundert mich wirklich GAR nix mehr.“

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Kurze Werbeunterbrechung.




Ich freue mich immer, wenn Copywriter wissen, wovon sie schreiben. Wenn sie dann noch mit einem Art Director zusammenarbeiten, der ihre Texte nicht nur als Grauwert betrachtet und weggestaltet, wird es besonders schön. Bei Yöghund sieht es ganz so aus, als hätten sich zwei gefunden.

Auszug aus dem Text für einen Hundejoghurt der zweifelhaften Geschmacksrichtung Banane & Erdnussbutter: „Hunde lieben unseren Frozen Yoghurt. Aber sie lieben es auch, an den Hintern anderer Hunde zu schnüffeln. Insofern ist dieses Statement nicht allzuviel wert."

Dienstag, 18. Oktober 2011

Schreckschrauben haut man nicht.




Eine gute Kinderstube gehabt zu haben ist manchmal eine echte Last. Am liebsten würde ich die beiden Schreckschrauben aus den Schuhen hauen, habe aber gelernt, dass man Schreckschrauben nicht aus den Schuhen haut, sondern über die Straße hilft. Was denn nun noch alles?!

Wir radeln zu dritt durch den Hildener Stadtwald. Luna an der kurzen Leine, Wiki an der längeren. Ein Dalmatiner und ein Spitz brettern unbeaufsichtigt auf uns zu. Der Dalmatiner stellt sich quer in den Weg, der Spitz rast außen herum und attackiert von hinten. 

Montag, 3. Oktober 2011

An den Vegetariersaftsack hier im Haus!






Hör jetzt gut zu, du alte Radaurassel! Wenn ich oben im Büro Kundengespräche führe, dann will ich unten in der Küche Ruhe haben. Ruhe heißt, da bellt nix, möppert nix, zickt nix. Und vor allem scheppert kein Zwetschgenkuchenblech auf die Fliesen! Und schon gar nicht ist hinterher der halbe Zwetschgenkuchen weg!


UND WO WIR GERADE DABEI SIND, VEGETARIERSAFTSACK! Nur eine Woche nach der Zwetschgenkuchenabmahnung die Backofentür aufzustemmen, bis zum Arsch hineinzukriechen und sich den frisch gebackenen, abkühlenden Apfelkuchen reinzupfeifen, ist ein fristloser Kündigungsgrund!


Freitag, 30. September 2011

Dieses Buch ist ein Segen.





Da heutzutage jeder Honk, der bis sechs zählen kann (Schnauze, Rute, Bein, Bein, Bein, Bein), eine Hundeschule eröffnen darf, tummeln sich in diesem weiten Feld unendlich viele Flachpfeifen. Sie sind zu einer differenzierten Betrachtung der Sorgen von Hund und Halter gar nicht in der Lage.

Das rührt unter anderem daher, dass sie nur einen einzigen Lösungsweg beherrschen und deshalb immer die gleiche Diagnose stellen. Und so taumelst du mit deiner Krawallmaus von einer Falle in die nächste.

Als freud- und leidgeprüfter Inhaber einer Hündin, deren grenzwertiges Auftreten und soziale Inkompetenz ganze Bände füllen, kann ich nur sagen: Dieses Buch ist ein Segen!

Dienstag, 20. September 2011

Die Visionen des Havau.







Wir wollten das wirklich nicht. Ehrlich! Krause war nicht als Sammelname für Hundetrainer gedacht, sondern für Hundetrainer, Hundeschuleninhaber, Hundeforumsposter, Hundelehrbuchschreiber, Hundewiesenrandratgeber, Hundezüchter, Hundeversteher, Hundepensionsleiter, Hundevereinsfiguranten.

Und natürlich für Hundeservicegassigeher, Hundetierärzte, Hundetierarzthelfer, Hundefachzeitschriftenredakteure, Früherauchhundegehabthaber, Hundefutterfachverkäufer, Hundepsychotherapeuten, Hundenaturheilkundler, Hundeflüsterer. Kurz: Mit Krause waren und sind alle Hundeahnunghaber gemeint, die es nicht lassen können, mit Hundeerziehungstipps um sich zu werfen. Also wir alle!