Freitag, 8. Mai 2009

Letzte Worte.




Und ich sag noch: Mach die Hundeleine nicht an den Fahrradlenker. Und was macht er? Die Hundeleine an den Fahrradlenker. Und was ist jetzt? Beule.

Normalerweise geht das ja gut. Grenzwertig wird es erst, wenn das Handy klingelt, ich einhändig radelnd nach dem Gerät in der Tasche krame, von rechts ein schwarzer Kater kreuzt und die Krawallmaus ansatzlos Gas gibt, um mich auf 30 Stundenkilometer zu beschleunigen.

Hilflos eiernd zieht mein kurzes Leben an mir vorbei. Ich möchte gerne etwas Kluges sagen. Mir fällt nichts ein.


Mit diesem Blackout befinde ich mich übrigens in bester Gesellschaft. Der Dichter Walt Whitman († 1892) sah in den letzten Worten die Krönung des Lebens. Er suchte jahrelang nach der geeigneten Äußerung und fand sie! Dummerweise fiel sie ihm nicht mehr ein, als Freund Hein überraschend an die Tür klopfte. Stattdessen murmelte Whitman: „Scheiße.“

Wenn man von Berufs wegen viele Worte macht, fragt man sich sowieso: Welche werden wohl meine letzten sein? Und überhaupt – was haben eigentlich die anderen gesagt?

Mit meiner Neugier stehe ich nicht alleine da. Anthologien mit den letzten Worten berühmter Zeitgenossen gibt es schon seit anno Tobak. Mit jeder Menge Unfug drin. Die Nachwelt legte den Hinscheidenden alles mögliche in den Mund. Sie konnten sich ja schlecht dagegen wehren. 

2001 hat sich Werner Fuld dieser Flut finaler Botschaften angenommen, übelsten Quatsch aussortiert und den belegbaren Rest in einem Lexikon untergebracht.

„Und sie bewegt sich doch.“ Galileo Galilei († 1642)
„Welch ein  Künstler geht mit mir dahin.“ Nero († 68)
„Kiss me, Hardy.“ Admiral Nelson († 1805)

Alles Klassiker. Schön knapp und weltbewegend. Kennt man. Derentwegen braucht man sich das Buch nicht zu kaufen. Aber wegen der vielen anderen. Komisch bis absurd wird es nämlich, wenn es so richtig schön daneben geht. 

Der letzte Wunsch von Brendan Behan († 1964), irischer Dramatiker und Säufer, galt der katholischen Nonne, die ihn in den letzten Stunden pflegte: „Mögen all deine Söhne Bischöfe werden.“

Sehr lesenswert auch das Kapitel, in dem das Schicksal die Protagonisten in Ausübung ihrer Berufstätigkeit ereilt. Den französischen Grammatiker Dominique Bouhours († 1702) beispielsweise. Der blieb praxisnah bis zuletzt. Auf die Frage, wie es ihm gehe, antwortete er: „Ich bin dabei zu sterben, oder: ich sterbe gerade. Beide Wendungen sind gebräuchlich.“

Marie Antoine Carême († 1833), der berühmteste Koch seiner Zeit, sah gerade am Herd nach dem Rechten: „Diese Kalbsklößchen sind gut, aber zu rasch erhitzt. Man muss die Kasserolle ganz leicht schwenken.“ 

Hotelier Conrad Hilton († 1979) meinte noch: „Der Duschvorhang gehört nach innen in die Wanne.“

Ein paar echte Kracher sind auch dabei. Terry Kath († 1978), ehemaliger Gitarrist der Band Chicago, versammelte seine Freunde zu einer gemütlichen Partie russisches Roulette: „Keine Sorge, er ist nicht geladen.“ 

Den Chef der Firma Murder Incorporated, Albert Anastasia († 1957), erwischte es nach alter Gangster Sitte im Barber Shop: „Einmal Haare schneiden!“ 

Und der amerikanische Bürgerkriegsgeneral Sedgewick († 1864) knurrte angesichts des Feindes: „Die könnten nicht mal einen Elefanten treffen auf diese Entfern...“ 

Womit wir bei den letzten Worten dieses Eintrags wären: Luna kann sehr schnell laufen. Sie trabt raumgreifend und fängt erst ab 22 km/h zu galoppieren an. Mein Tacho ist Zeuge. Boing.




© Michael Frey Dodillet | Die Krawallmaustagebücher 2009

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